Welche Versicherungen brauchen Selbstständige wirklich?

Welche Versicherungen brauchen Selbstständige wirklich?

Mehr Freiheit, mehr Verantwortung: So bauen Selbstständige ihren Versicherungsschutz schlank, bezahlbar und belastbar auf.

Versicherungen für Selbstständige – was wirklich nötig ist.

🌟 Einleitung

Marcus Wacker Geschäftsführer
Marcus Wacker, Geschäftsführer,Spezialist für Gewerbeversicherungen

Selbstständig zu sein ist stark – aber es verzeiht weniger Fehler. Bei Angestellten federt vieles ein System ab: Lohnfortzahlung, gesetzliche Abläufe, klare Zuständigkeiten. Als Selbstständiger sind Sie dagegen oft Ihr eigener „Krisenmanager“: Wenn Sie krank werden, steht nicht nur Ihr Körper still, sondern häufig auch Ihr Umsatz. Wenn ein Kunde Ansprüche stellt, haften Sie möglicherweise mit Ihrem Privatvermögen. Und wenn Technik, Daten oder Betriebsmittel ausfallen, kann das direkte Einnahmen kosten – nicht irgendwann, sondern sofort.

Genau deshalb ist die Frage „Welche Versicherungen brauche ich?“ für Selbstständige keine Produktfrage, sondern eine Prioritätenfrage: Was ist existenziell, was ist sinnvoll, was ist Komfort? Und vor allem: Welche Absicherung funktioniert wirklich in der Praxis – mit klaren Bedingungen, nachvollziehbaren Prozessen und ohne böse Überraschungen bei Ausschlüssen, Obliegenheiten oder Wartezeiten?

Auf dieser Seite bekommen Sie eine MAWA-Strategie, die in der Realität funktioniert: erst die großen Hebel (Gesundheit, Einkommen, Haftung), dann Betrieb, dann Feinschliff. Nicht „maximal“, sondern passend.

💡 Tipp: Selbstständige sollten nicht zuerst „am Beitrag sparen“, sondern zuerst verhindern, dass Krankheit, Haftung oder Ausfall die Handlungsfähigkeit zerstören.

1. Was heißt „selbstständig“ aus Versicherungssicht? 🧭

„Selbstständig“ ist aus Versicherungssicht kein Lifestyle, sondern eine andere Verantwortungslogik: Sie tragen Risiken, die bei Angestellten häufig (teilweise) vom Arbeitgeber, von Kollektivverträgen oder von gesetzlichen Systemen abgefedert werden. Gleichzeitig sind Ihre Einnahmen oft schwankend, Ihre Kosten aber konstant. Genau diese Kombination macht den Unterschied.

Wichtige Stellschrauben, die sich durch Selbstständigkeit verändern:

  • Vertrags- und Haftungsrollen: Wer ist Auftraggeber, wer ist Leistungserbringer, wer haftet wofür?
  • Abhängigkeit von Ihrer Person: Bei vielen Solo-Selbstständigen ist die Person gleich das Produkt.
  • Abhängigkeit von Infrastruktur: Technik, Tools, Lager, Werkstatt, Büro, Online-Zugänge.
  • Abhängigkeit von Fristen: Projekttermine, SLA, Vertragsstrafen, Datenschutzmeldungen.
  • Liquiditätsrisiko: Ein Schaden ist selten nur „Kosten“, sondern oft Umsatzverlust plus Folgekosten.

Entscheidend ist außerdem die Rechtsform und die konkrete Tätigkeit: Ein Coach hat andere Haftungs- und Sachrisiken als ein Handwerker, ein Onlineshop oder eine Agentur. Und ein GmbH-Geschäftsführer hat andere private/unternehmerische Trennlinien als ein Einzelunternehmer.

ThemaWarum es zähltPraktischer Start-Check
Selbstständig = eigenes RisikoViele Sicherungsnetze werden dünnerWo kommt Umsatz her, wer hängt an Ihnen?
Rechtsform & VertragspartnerBestimmt, wer haftet und wer Versicherungsnehmer sein mussEinzelunternehmen, GbR, GmbH – sauber trennen
Tätigkeit & ZielgruppeSteuert Berufshaftpflicht/Betriebshaftpflicht-BedingungenTätigkeitsbeschreibung schriftlich festhalten
Fixkosten & LaufzeitverträgeErhöhen Druck bei AusfallWelche Kosten laufen 3–6 Monate weiter?
Digitale AbhängigkeitenErhöhen Cyber- und BetriebsunterbrechungsrisikoWelche Systeme müssen in 24–72h wieder laufen?

📘 Beachte: Die wichtigste Vorarbeit ist eine saubere Tätigkeitsbeschreibung – falsche oder zu grobe Angaben sind ein häufiger Grund für Diskussionen im Schadenfall.

2. Die 3 größten Risiken: Gesundheit, Einkommen, Haftung ⚙️

Wenn man Selbstständige fragt, was „wirklich weh tut“, sind es fast immer diese drei: Krankheit/gesundheitliche Einschränkungen, daraus entstehender Verdienstausfall und Haftungsfälle (privat oder betrieblich). Sachschäden sind ärgerlich – aber oft planbarer und leichter ersetzbar als ein längerer Ausfall Ihrer Arbeitskraft oder ein existenzbedrohender Haftungsanspruch.

  1. Gesundheit: Sie müssen medizinisch gut versorgt sein, ohne finanzielle Angst vor Behandlung und ohne „Beitrags-Schock“ in schwierigen Phasen.
  2. Einkommen: Sie brauchen ein Konzept, wie die ersten Wochen (Liquidität), die ersten Monate (Krankentagegeld) und die langfristige Arbeitskraft (Berufsunfähigkeitsversicherung) abgesichert werden.
  3. Haftung: Ein Fehler, eine Pflichtverletzung, ein Schaden beim Kunden oder ein Datenschutzvorfall kann teuer werden – oft nicht wegen „Sachschaden“, sondern wegen Vermögensfolgen.

Die typische Fehlreihenfolge in der Praxis:

  • erst „Büro/Technik versichern“, aber kein Verdienstausfall-Konzept
  • private Haftpflicht sauber, aber Betriebshaftpflicht/Berufshaftpflicht fehlt
  • Krankenversicherung gewählt, aber Krankentagegeld vergessen
  • Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen, aber Tätigkeitsdefinition, Dynamiken oder Nachversicherung fehlen
RisikoTypischer AuslöserFinanzieller EffektPassender Baustein
GesundheitKrankheit, OP, psychische BelastungBehandlungskosten, BeitragsdruckKrankenversicherung + Beitrags-Logik
Einkommen kurz/mittelArbeitsunfähigkeit 2–26 WochenUmsatz fällt, Kosten laufen weiterLiquiditätsreserve + Krankentagegeld
Einkommen langfristigdauerhafte EinschränkungExistenzrisikoBerufsunfähigkeitsversicherung
Haftung privatAlltags-Schaden (Mietsache, Personenschaden)hohe Forderungen möglichPrivate Haftpflicht
Haftung betrieblichKunden-/Drittschaden, FehlerSchadensersatz + FolgekostenBetriebshaftpflicht/Berufshaftpflicht
Daten/CyberPhishing, Ransomware, DatenleckStillstand + Meldung + WiederherstellungCyber-Konzept

⚠️ Achtung: Wer nur „Schäden am Eigentum“ versichert, aber Gesundheit/Einkommen/Haftung offen lässt, hat oft teure Policen – und trotzdem die größten Lücken.

3. Krankenversicherung: GKV/PKV – was wirklich zählt 🏥

Für Selbstständige ist die Krankenversicherung nicht nur „Leistung“, sondern auch eine strategische Entscheidung: Wie stabil sind Beiträge, wie gut ist der Zugang zu Versorgung, wie flexibel sind Sie bei schwankenden Einnahmen und wie passen Familien- und Lebensplanung dazu?

Grundlogik:

  • Gesetzliche Krankenversicherung (GKV): Beitrag orientiert sich am Einkommen (mit Regeln zu Mindest-/Höchstbemessung). Leistung ist standardisiert, Zusatzleistungen laufen über Zusatzbausteine.
  • Private Krankenversicherung (PKV): Beitrag orientiert sich an Alter, Gesundheitszustand, Tarif und Leistungsumfang. Leistung kann sehr hochwertig sein, erfordert aber saubere Tarifwahl und Beitrags-Planung.

Worauf es in der Praxis wirklich ankommt:

  • Planbarkeit: Können Sie Beiträge in schwachen Monaten tragen? Wie groß ist Ihr Puffer?
  • Leistungsniveau: Welche Leistungen sind Ihnen real wichtig (ambulant, stationär, Zahn, Psychotherapie, Heilmittel)?
  • Familienplanung: Wie werden Partner/Kinder abgesichert, wie kalkulieren Sie Mehrbeiträge?
  • Wechsel- und Rückkehrlogik: Entscheidungen sollten „lebensphasentauglich“ sein, nicht nur kurzfristig günstig.
  • Selbstbehalt und Steuerung: Selbstbehalt senkt Beiträge, erhöht aber Ihr eigenes Risiko im Alltag.

Ein sinnvoller Ansatz ist oft: erst Klarheit über Ihr Risikoprofil, dann Tarife vergleichen, dann mit Beitrags-Szenarien arbeiten (gutes Jahr, normales Jahr, schwaches Jahr). Gerade bei Selbstständigen ist „zu knapp kalkuliert“ ein häufiger Fehler.

KriteriumGKV: typische StärkenPKV: typische StärkenIhr Prüfpunkt
Beitragssystemeinkommensabhängig, transparentleistungs-/risikoabhängig, gestaltbarWie schwanken Ihre Gewinne?
Leistungsumfangsolide Basis, weniger individuellsehr individuell, oft hochwertigWas brauchen Sie wirklich?
Planung Familieje nach Konstellation gut planbarjedes Mitglied eigener BeitragWie ist Ihre Familienplanung?
Komfort/VersorgungStandardversorgungWahlleistungen möglichWie wichtig sind Wahlleistungen?
LangfristigkeitSystemlogik statt TariflogikTarifwahl entscheidet starkSind Sie bereit, das aktiv zu managen?

📘 Beachte: Entscheidend ist nicht „GKV oder PKV“, sondern ob Ihr Modell auch in einem schwachen Geschäftsjahr stabil funktioniert.

4. Verdienstausfall: Krankentagegeld, BU & Alternativen 💶

Für Selbstständige ist Verdienstausfall das Kernrisiko: Wenn Sie nicht arbeiten können, fehlt oft sofort Umsatz. Gleichzeitig laufen Kosten weiter: Miete, Leasing, Software, Versicherungen, ggf. Personal, Steuernachzahlungen aus Vorjahren. Ein gutes Konzept hat deshalb drei Ebenen:

  1. Sofort-Liquidität (Tage 1–14/30): Rücklage oder kurzfristige Hilfe, damit Rechnungen bezahlt werden.
  2. Krankentagegeld (ab definiertem Tag): Ersetzt Einkommen bei Arbeitsunfähigkeit (AU) nach Warte-/Karenzzeit.
  3. Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) (langfristig): Leistet, wenn Sie Ihren Beruf voraussichtlich dauerhaft nur noch eingeschränkt ausüben können (je nach Bedingungswerk).

Krankentagegeld: wichtige Stellschrauben

  • Beginn der Zahlung: ab Tag 15, 22, 29, 43 oder später – je nach Bedarf und Beitragsbudget.
  • Höhe: realistisch kalkulieren (privater Lebensunterhalt + betriebliche Fixkosten, soweit sinnvoll abbildbar).
  • Nachweise: AU-Bescheinigung, ggf. regelmäßige ärztliche Bestätigungen.
  • Dynamik/Anpassung: Wenn Einkommen wächst, muss das Tagegeld mitwachsen.

Berufsunfähigkeitsversicherung: typische Stolpersteine

  • Falsche Berufs-/Tätigkeitsbeschreibung: führt zu Streit über „zuletzt ausgeübter Beruf“.
  • Zu niedrige Rente: fühlt sich im Angebot günstig an, hilft im Ernstfall aber nicht.
  • Keine Nachversicherung: Einkommen steigt, Absicherung bleibt klein.
  • Ausschlüsse/Leistungshürden: je nach Vorerkrankungen, Sport, Risikoberuf.

Alternativen/Ergänzungen (je nach Fall):

  • Grundfähigkeitsabsicherung: kann sinnvoll sein, wenn BU schwer oder teuer ist, deckt aber anderes Risiko.
  • Schwere-Krankheiten-Absicherung: Einmalzahlung bei definierten Diagnosen; ersetzt keine BU.
  • Unfallversicherung: sinnvoll, wenn Freizeit-/Wege-Risiken dominieren, ersetzt aber selten eine Arbeitskraft-Strategie.
BausteinWofür er da istStarke SeiteTypische Grenze
Rücklageerste Wochen überbrückenschnell, flexibelreicht oft nicht für Monate
KrankentagegeldAU-Phase absichernplanbar, klarer Triggerendet nicht „automatisch“ in BU
Berufsunfähigkeitsversicherunglangfristige Arbeitskraftexistenzsicherndsaubere Bedingungen nötig
UnfallversicherungUnfallfolgengünstig für FreizeitKrankheit/psyche meist nicht erfasst
Schwere KrankheitenDiagnose = EinmalzahlungLiquiditätsschub möglichkein laufendes Einkommen
GrundfähigkeitenFähigkeitenverlustAlternative bei BU-Hürdenpasst nicht zu jedem Beruf

⚠️ Achtung: Der größte Fehler ist die Lücke zwischen „krank“ (AU) und „berufsunfähig“ – ohne Krankentagegeld kann schon ein 8–12-Wochen-Ausfall finanziell kippen.

5. Private Haftpflicht vs. Betriebshaftpflicht: klare Trennung 🧯

Viele Selbstständige haben eine private Haftpflicht – sehr gut. Der Denkfehler ist jedoch: „Dann bin ich doch abgesichert.“ Nein: Private Haftpflicht deckt private Risiken. Sobald Sie im Rahmen Ihrer beruflichen Tätigkeit handeln, brauchen Sie in der Regel betrieblichen Haftpflichtschutz.

Praxisbeispiele:

  • Sie beschädigen beim Kunden etwas: betrieblich.
  • Ihre Mitarbeiter oder Subunternehmer verursachen einen Schaden: betrieblich (je nach Einbindung).
  • Sie verursachen als Privatperson einen Schaden im Alltag: privat.

Warum die Trennung wichtig ist:

  • Schadenursache und Tätigkeit entscheiden, nicht Ihre Absicht.
  • Auftraggeber verlangen häufig Nachweise (Versicherungsbestätigung).
  • Ohne Betriebshaftpflicht zahlen Sie Schäden aus Unternehmensmitteln – das trifft direkt Liquidität.

Wichtige Parameter der Betriebshaftpflicht:

  • Deckungssummen: ausreichend für Personen- und Sachschäden (bei Personenschäden geht es schnell um sehr hohe Forderungen).
  • Mitversicherte Tätigkeiten: exakt passend zu Ihrem Leistungsangebot.
  • Mietsachschäden, Bearbeitungsschäden, Tätigkeitsschäden: häufige Streitpunkte.
  • Subunternehmer/Freelancer: klare Regelung, wer wie versichert ist.
SituationPrivathaftpflichtBetriebshaftpflichtIhr Prüfsatz
Alltag als Privatpersontypischer Kernbereichmeist nicht zuständigPassiert es außerhalb der Arbeit?
Schaden beim Kundenmeist ausgeschlossentypischer KernbereichWar es im Auftrag/bei Ausführung?
Schlüsselverlust (Kunde)oft nur privat begrenztsinnvoller Baustein möglichWelche Schlüssel verwalten Sie?
Mietsache Büroprivat oft nicht passendBaustein wichtigWas mieten/leasen Sie betrieblich?
Subunternehmerprivat irrelevantmuss geregelt seinWer arbeitet in Ihrem Namen?

📘 Beachte: In Angeboten ist „Betrieb“ nicht automatisch vollständig abgedeckt – die Tätigkeitsliste entscheidet, was wirklich versichert ist.

6. Berufshaftpflicht & Vermögensschaden: wenn Fehler teuer werden 🧾

Je wissensbasierter Ihr Beruf, desto häufiger ist das größte Risiko kein Sachschaden, sondern ein Vermögensschaden: Ein Kunde verliert Geld, weil Ihre Beratung/Planung/Programmierung/Organisation fehlerhaft war oder Fristen nicht eingehalten wurden. Genau hier greift die Berufshaftpflicht bzw. Vermögensschadenhaftpflicht.

Typische Berufsgruppen:

  • IT/Software/Agenturen (Projektverzug, Schnittstellenfehler, Datenverlust-Folgen)
  • Berater/Coaches (Fehlberatung, Vertragsgestaltung, Prozessfehler)
  • Planer/Ingenieure (Planungsfehler, Nachbesserungskosten)
  • Dienstleister mit Fristen (Buchhaltung nahe, aber je nach Beruf reguliert)

Wichtige Begriffe:

  • Echte Vermögensschäden: reiner finanzieller Schaden ohne vorherigen Personen-/Sachschaden.
  • Unechte Vermögensschäden: Vermögensfolge aus Personen-/Sachschaden.
  • Projektdeckungen und Nachmeldefristen: relevant, wenn Schäden erst später sichtbar werden.
  • Tätigkeit, Markt, Vertragsstrafen: manche Dinge sind nur begrenzt oder gar nicht versicherbar.

Was Sie unbedingt klären sollten:

  • Welche Tätigkeiten sind versichert (z. B. Beratung, Umsetzung, Hosting, Schulung)?
  • Wie sind Fremdleistungen/Subunternehmer eingebunden?
  • Gibt es Ausschlüsse für bestimmte Branchen Ihrer Kunden?
  • Wie sind Vertragsstrafen, Garantien, Erfüllungsschäden geregelt?
FehlerbildTypischer SchadenRelevanter SchutzWichtige Bedingung
Frist-/ProjektverzugMehrkosten, entgangener GewinnVermögensschadenklare Tätigkeits- und Projektdefinition
Fehlberatungfinanzielle FehlentscheidungBerufshaftpflichtUmfang der Beratung muss passen
ProgrammierfehlerSystemausfall beim KundenBerufshaftpflicht/Cyber-SchnittstelleAbgrenzung Eigenschaden/Fremdschaden
DatenschutzfehlerMeldungen, Anwälte, SchadenersatzCyber + VermögensschadenMelde-/Reaktionskosten enthalten?
DokumentationsmangelBeweislastproblemindirekt relevantsaubere Prozesse senken Risiko

⚠️ Achtung: Eine reine Betriebshaftpflicht deckt echte Vermögensschäden häufig nicht ausreichend – bei beratenden/IT-nahen Tätigkeiten ist das eine der teuersten Lücken.

7. Inhalt, Technik, Elektronik: Betriebsmittel richtig absichern 🖥️

Sachwerte sind greifbar – und darum werden sie oft zuerst versichert. Sinnvoll ist das, wenn Betriebsmittel wirklich geschäftskritisch sind oder wenn ein Schaden Ihre Arbeit tagelang ausbremst. Wichtig ist dabei: Nicht jedes Gerät braucht eine eigene Police. Aber die richtige Bündelung und die richtige Bewertung der Werte sind entscheidend.

Typische Bausteine:

  • Inhaltsversicherung: schützt Einrichtung, Waren, Material, Werkzeuge gegen Gefahren wie Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel, Einbruchdiebstahl (je nach Vertrag).
  • Elektronikversicherung: für empfindliche Technik (Server, Laptop-Flotten, Messgeräte, POS-Systeme) oft mit breiterem Umfang, z. B. Bedienfehler, Überspannung.
  • Werkverkehr/Transport: wenn Sie Waren/Equipment regelmäßig transportieren.
  • Außenversicherung/Mobile Geräte: wenn Technik unterwegs eingesetzt wird.

Die häufigsten Fehler:

  • Unterversicherung: Werte zu niedrig angesetzt; im Schadenfall wird gekürzt.
  • Falsche Gefahrannahmen: Einbruch ist versichert, einfacher Diebstahl unterwegs nicht.
  • Keine Regelung für neue Anschaffungen: Wachstum nicht abgebildet.
  • Unklare Zuständigkeiten zwischen Privat und Betrieb: privat gekaufte Technik wird betrieblich genutzt.
BausteinWas ist typischerweise drinTypische LückeIhr Check
InhaltsversicherungFeuer, Wasser, Sturm, Einbrucheinfacher Diebstahl, grobe Fahrlässigkeit je nach VertragWo stehen Werte, wie sicher ist der Standort?
Elektronikversicherungbreiter Umfang inkl. BedienfehlerDatenwiederherstellung nicht automatischWelche Geräte sind „kritisch“?
Transport/WerkverkehrSchäden/Diebstahl unterwegs je nach Umfangfalscher Transportweg/fehlende SicherungWie oft ist Equipment on the road?
Mobile GeräteLaptop/Handy außerhalb BüroDiebstahl-Szenarien begrenztWelche Geräte sind täglich mobil?
Waren/LagerWarenwerte und SaisonspitzenSpitzen nicht gemeldetWie schwanken Lagerwerte?

📘 Beachte: Versichern Sie nicht „alles“, sondern das, was Ihren Umsatzfluss tatsächlich schützt – und kalkulieren Sie Werte realistisch, nicht aus dem Bauch.

8. Betriebsunterbrechung: wenn Stillstand Umsatz frisst ⏳

Betriebsunterbrechung ist das „unsichtbare“ Risiko: Der eigentliche Schaden ist nicht der kaputte Router oder der Wasserschaden im Büro – der Schaden ist der Stillstand. Wenn Sie Termine nicht halten, Umsätze nicht fakturieren, Kunden abspringen oder Vertragsstrafen drohen, wird es teuer.

Betriebsunterbrechungskonzepte unterscheiden sich je nach Auslöser:

  • Sachschaden-getriebene Unterbrechung: nach Feuer/Wasser/Sturm/Einbruch ist der Betrieb nicht nutzbar.
  • IT-/Cyber-getriebene Unterbrechung: Systeme sind verschlüsselt, Shop offline, Buchhaltung nicht erreichbar.
  • Lieferketten-/Dienstleister-Ausfall: bei manchen Geschäftsmodellen kritisch, aber nicht immer versicherbar.

Wichtige Punkte, die entscheiden, ob es „wirklich hilft“:

  • Haftzeit: Wie lange zahlt der Vertrag? 3, 6, 12 Monate können große Unterschiede machen.
  • Entschädigungslogik: auf Basis entgangenen Gewinns und fortlaufender Kosten, oder über Tagespauschalen.
  • Fixkosten-Realität: Welche Kosten laufen wirklich weiter (Miete, Leasing, Gehälter, Software)?
  • Anlaufkosten: Was kostet es, den Betrieb wieder hochzufahren (Notbetrieb, Ersatzräume, Expresslieferungen)?
  • Dokumentation: Ohne Zahlen und Prozesse wird die Schadenberechnung schwer.
FrageWarum sie wichtig istTypische AntwortKonsequenz
Was stoppt Ihr Geschäft?bestimmt den AuslöserStandort, Technik, Personal, ZugangBaustein passend wählen
Wie lange halten Sie ohne Umsatz durch?bestimmt Haftzeit4–12 Wochen sind oft kritischHaftzeit & Liquidität koppeln
Welche Kosten laufen weiter?Kern der KalkulationMiete, Leasing, Software, Personalfortlaufende Kosten sauber erfassen
Können Sie Notbetrieb machen?reduziert SchadenHomeoffice, Ersatzgeräte, PartnerAnlauf-/Mehrkosten einplanen
Wie belegen Sie Umsatz/Gewinn?entscheidet über RegulierungBWA, Aufträge, RechnungenProzesse für Nachweise definieren

💡 Tipp: Rechnen Sie einmal durch: Was kostet Sie 1 Woche Stillstand wirklich – inklusive Fixkosten, verlorener Marge und Wiederanlauf?

9. Cyber & Daten: realistische Absicherung statt Buzzwords 🔐

Cyber ist kein Modewort, sondern ein Bündel aus sehr realen Risiken: Phishing, kompromittierte Zugangsdaten, Ransomware, Datenabfluss, Fehlkonfiguration in Cloud-Tools, verlorene Geräte. Selbst sehr kleine Betriebe sind betroffen, weil Angriffe häufig automatisiert sind. Gleichzeitig gilt: Eine Cyber-Police ersetzt keine IT-Hygiene – aber sie kann Krisenkosten abfedern und schnelle Hilfe organisieren.

Was Cyber-Versicherung in der Praxis leisten sollte:

  • Soforthilfe: Incident Response, Forensik, Krisenhotline
  • Wiederherstellung: Daten, Systeme, Notbetrieb
  • Haftung: Schadenersatzansprüche Dritter, Abwehrkosten
  • Melde- und Kommunikationskosten: Datenschutzmeldungen, Anwälte, PR
  • Betriebsunterbrechung: wenn Systeme stillstehen

Worauf Selbstständige achten sollten:

  • Wartezeiten und Obliegenheiten: z. B. Mindeststandards (Backups, Updates, MFA).
  • Deckungsumfang bei Cloud-Tools: Ihre Daten liegen oft bei Dienstleistern.
  • Abgrenzung Eigenschaden vs. Drittschaden: beides kann relevant sein.
  • Social Engineering/CEO-Fraud: nicht immer automatisch enthalten.
  • Passung zur Tätigkeit: Onlinehandel/Agentur/IT haben andere Risikobilder als klassische Handwerksbetriebe.
Cyber-RisikoTypisches SzenarioKostenblockAbsicherungspunkt
PhishingKontoübernahme, Tool-Zugänge wegForensik, Sperrung, WiederherstellungIncident Response & Wiederanlauf
RansomwareDaten verschlüsselt, Betrieb stehtStillstand, IT, NeuaufbauBetriebsunterbrechung + IT-Leistungen
DatenleckKundendaten versehentlich öffentlichAnwalt, Meldung, SchadenersatzHaftpflichtteil + Meldekosten
Social Engineeringfalsche Zahlung ausgelöstDirektverlustexplizite Mitversicherung prüfen
Cloud-Ausfall/FehlkonfigWebsite/Shop downUmsatzverlustSchnittstelle zu BU/IT klären

⚠️ Achtung: Wenn eine Cyber-Police strenge IT-Mindeststandards voraussetzt, Sie diese aber nicht erfüllen, kann es im Ernstfall zu Leistungskürzungen kommen – Cyber gehört immer zusammen mit einfachen Sicherheitsroutinen geplant.

10. FAQ – 6 wichtige Fragen: Versicherungen für Selbstständige ❓

Welche drei Versicherungen sind für Selbstständige am wichtigsten?

In den meisten Fällen sind das: Krankenversicherung (sauber und bezahlbar), Absicherung des Verdienstausfalls (Krankentagegeld und/oder langfristige Arbeitskraftabsicherung) und die passende berufliche Haftung (Betriebs-/Berufshaftpflicht je nach Tätigkeit).

💡 Tipp: Wenn Sie nur an einer Stelle keine Lücke haben dürfen, dann beim Verdienstausfall. Denn ohne Einnahmen wird aus jedem Problem ein Zeitdruckproblem.

Brauche ich zwingend eine Betriebshaftpflicht?

Wenn Sie Kundenkontakt, Projekte, Arbeiten vor Ort oder eine Tätigkeit mit möglichen Personen-/Sachschäden haben, ist sie in der Praxis sehr häufig sinnvoll. Bei rein digitalen oder beratenden Tätigkeiten kann zusätzlich die Vermögensschadenlogik entscheidend sein.

📘 Beachte: Nicht der Berufsname ist entscheidend, sondern das Tätigkeitsbild. Eine saubere Tätigkeitsbeschreibung ist oft wichtiger als der Beitrag.

Was ist der Unterschied zwischen Betriebshaftpflicht und Berufshaftpflicht?

Betriebshaftpflicht deckt typischerweise Personen- und Sachschäden ab, die aus dem Betrieb entstehen, plus ggf. daraus folgende Vermögensschäden. Berufshaftpflicht/Vermögensschaden fokussiert stärker auf Schäden durch Fehler in Leistung, Beratung, Planung oder Fristen, also finanzielle Nachteile ohne Sachschaden.

⚠️ Achtung: Viele glauben, Vermögensschäden seien „automatisch drin“. Das stimmt nicht pauschal – hier muss man die Bedingungen und Limits lesen.

Wie hoch sollte ein Krankentagegeld sein?

Es sollte so dimensioniert sein, dass Sie private Lebenshaltung und betriebliche Fixkosten tragen können, ohne in Notmaßnahmen zu rutschen. Entscheidend ist nicht Ihr Umsatz, sondern Ihr realer Bedarf im Krankheitsfall.

💡 Tipp: Rechnen Sie konservativ: Was müssen Sie monatlich zahlen, selbst wenn Sie 8–12 Wochen gar nichts fakturieren können?

Ist Cyber für kleine Selbstständige wirklich relevant?

Wenn Sie von E-Mail, Online-Banking, Website, Kundendaten oder digitaler Kommunikation abhängen, kann ein Cybervorfall Sie schnell lahmlegen. Relevanz hängt weniger von „Größe“ ab, sondern von Abhängigkeit und Prozess.

📘 Beachte: Cyberversicherung ist nur sinnvoll, wenn Sie die Obliegenheiten realistisch erfüllen können. Sonst kaufen Sie ein Versprechen, das im Ernstfall wackelt.

Was ist der häufigste Fehler bei Selbstständigen-Versicherungen?

Haftung zu haben, aber keinen echten Plan für Verdienstausfall. Oder umgekehrt: irgendwas fürs Einkommen, aber Haftungsrisiken aus der Tätigkeit unterschätzen. Beides führt dazu, dass ein Ereignis nicht nur Geld kostet, sondern die Handlungsfähigkeit zerstört.

⚠️ Achtung: Der teuerste Fehler ist nicht ein hoher Beitrag – sondern eine Lücke, die erst sichtbar wird, wenn Sie krank sind oder ein Anspruch kommt.

11. Fazit – MAWA Selbstständigen-Check & Schutzstrategie 🧭

Welche Versicherungen brauchen Selbstständige wirklich? | MAWA Finanz

Wenn Sie als Selbstständiger „wirklich richtig“ absichern wollen, brauchen Sie keine Maximal-Police, sondern eine belastbare Schutzstrategie. Die Reihenfolge bleibt immer gleich: Gesundheit stabil, Einkommen sichern (kurz, mittel, lang) und Haftung professionell trennen. Danach kommen Sachwerte, Betriebsunterbrechung und Cyber – je nachdem, wie abhängig Ihr Geschäftsmodell von Standort, Technik und Daten ist.

Ein guter Schutzplan hat drei Eigenschaften:

  • schlank: keine Doppelversicherungen, klare Zuständigkeiten
  • skalierbar: wächst mit Umsatz und Team
  • stressfest: funktioniert auch in schwachen Monaten und in Krisen
CheckpunktZielWoran Sie es erkennenNächster Schritt
KrankenversicherungVersorgung + Beitrags-PlanbarkeitModell trägt auch im schwachen JahrSzenarien rechnen, Tariflogik prüfen
VerdienstausfallLiquidität + EinkommenRücklage + Krankentagegeld + BU greifen ineinanderStarttag Tagegeld, Höhe, Nachversicherung
Private Haftpflichtprivate Existenz schützenprivate Risiken sauber abgedecktDeckung & wichtige Bausteine prüfen
BetriebshaftpflichtKunden-/Drittrisiken abfedernTätigkeiten vollständig, Summen passendTätigkeitsliste + Ausschlüsse prüfen
Berufshaftpflicht/VSHFehlerkosten abdeckenechte Vermögensschäden mit drinProjekt-/Branchen-Risiken spiegeln
Sachwertekritische Betriebsmittel sichernWerte realistisch, Unterversicherung vermiedenInventar + mobile Risiken erfassen
BetriebsunterbrechungStillstand finanzierenHaftzeit & Kostenlogik passenStillstands-Kosten pro Woche kalkulieren
CyberKrisenhilfe & WiederanlaufIncident Response + Wiederherstellung enthaltenMindeststandards definieren und umsetzen

💡 Tipp: Schreiben Sie Ihren Schutzplan als 1-Seiten-Übersicht: Welche Police schützt welches Risiko ab welchem Tag – das deckt Lücken schneller auf als jede Einzeldiskussion.

📌 Alle Zielgruppen-Themen im Überblick

RECHTSSCHUTZ
VERSICHERUNG

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TERMIN
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BERUFSUNFÄHIGKEIT
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