Versicherungen für Industrie & Produktion: Systemschutz

Versicherungen für Industrie & Produktion: Systemschutz

Produktion bedeutet Anlagen, Lieferketten und Produktsicherheit unter Zeitdruck. Ein sauberes Versicherungssystem schützt Sie im Betrieb – und privat vor teuren Ausnahmen.

Versicherungen Industrie & Produktion – das solltest du wissen.

🌟 Einleitung

Marcus Wacker Geschäftsführer
Marcus Wacker, Geschäftsführer,Spezialist für Gewerbeversicherungen

Im produzierenden Gewerbe wirkt vieles planbar: Schichtpläne, Wartungsfenster, Liefertermine, Qualitätsprüfungen, Kennzahlen. Das Problem ist nicht der Normalbetrieb, sondern die Ausnahme: Ein Maschinenstillstand, ein Brand in der Absaugung, ein Fehler in der Serie, ein Rückruf, ein Stromausfall, ein Lieferantenausfall, ein Cyberangriff auf OT-Systeme oder ein Vorwurf zur Produktsicherheit. Dann wird aus „Kosten“ schnell „Kumulrisiko“: Sachschaden plus Stillstand plus Vertragsstrafen plus Reputationsdruck.

Dazu kommt: Industrie ist nicht gleich Industrie. Metall, Kunststoff, Lebensmittel, Automotive-Zulieferer, Maschinenbau, Chemie-nahe Produktion, Lohnfertigung, eigene Entwicklung oder reine Fertigung, Instandhaltung intern oder extern, hoher Exportanteil oder regional. Wer hier Standardpakete übernimmt, entdeckt die echte Lücke oft erst im Schadenfall – und dann ist es zu spät für saubere Weichen.

„💡 Tipp: Denken Sie nicht in Policen, sondern in Systemfällen: Brand/Leitungswasser, Maschinenbruch, Energieausfall, Serienfehler/Rückruf, Stillstand über Wochen, Lieferantenausfall, OT/Cyber, Produkthaftung mit Großkunde, Umwelt-/Gewässerschaden, Manager-/Rechtsrisiko. Wenn diese Szenarien finanziell überlebbar sind, ist Ihr System professionell.“

1. Betriebshaftpflicht und Produkthaftung in Industrie & Produktion 🏭

In der Industrie ist Haftpflicht selten „ein Kratzer“. Häufig geht es um große Fremdschäden, Kettenreaktionen und Vertragsdruck. Typische Muster: Ein fehlerhaftes Bauteil beschädigt eine Maschine beim Kunden, eine Komponente fällt in einer Anlage aus, ein Montagefehler erzeugt Folgeschäden, oder eine Serie entspricht nicht der Spezifikation. Dazu kommt: Im B2B-Kontext eskalieren Ansprüche schnell über Gutachten, Qualitätskosten, Stillstandszeiten und Regressketten.

Wichtig ist die saubere Trennung zwischen allgemeiner Betriebshaftpflicht (Drittschäden aus dem Betrieb) und Produkthaftung (Schäden durch das Produkt nach Lieferung). In der Praxis brauchen Sie beides – und zwar passend zur realen Wertschöpfung: Entwicklung, Konstruktion, Fertigung, Lohnfertigung, Import/Handel, Veredelung, Verpackung, Etikettierung. Eine falsche Einordnung führt zu Deckungslücken an der sensibelsten Stelle: wenn der Schaden beim Kunden entsteht und gleichzeitig Lieferpflichten und Verträge laufen.

In vielen Industrie-Verträgen kommen zusätzlich Anforderungen, die Sie kennen müssen: bestimmte Mindestdeckungssummen, Einbeziehung von US/Canada-Risiken (falls relevant), Mitversicherung von Rückrufkosten (separat oder eingeschlossen), Haftung für Subunternehmer, und klare Regeln zu „erweiterten Produktschäden“ (z. B. Ein- und Ausbaukosten). Nicht jede Haftpflicht deckt diese Themen automatisch, und genau dort entstehen die echten Kostentreiber.

PrüfpunktWas das konkret bedeutetWarum es in der Industrie wichtig istTypischer Fehler
TätigkeitsprofilEntwicklung, Fertigung, Handel sauber abbildenDeckung folgt der Wertschöpfung„Standard Industrie“ ohne Detail
ProdukthaftungSchäden nach Lieferung beim KundenB2B-Folgeschäden sind teuernur Betriebshaftpflicht gedacht
Ein-/AusbaukostenKosten für Ausbau/Einbau defekter Teilehäufig der größte Block„machen wir kulant“ unterschätzt
Deckungssummenpassend zu Großkunden/Lieferkettenein Schaden kann 7-stellig seinzu niedrig wegen Beitrag
AbwehrfunktionGutachter- und Anspruchsabwehrviele Fälle sind strittignur „Zahlung“ erwartet

„📘 Beachte: In der Industrie entscheidet nicht „ob Haftpflicht“, sondern ob Produkthaftung, Ein-/Ausbaukosten und Deckungssummen zu Ihren Kunden, Serien und Verträgen passen.“

2. Sachversicherung: Feuer, Leitungswasser, Sturm, Einbruch 🔥

Wenn in der Produktion etwas „kaputt“ geht, ist es selten nur der Ersatzwert. Es geht um Wiederbeschaffung, Lieferfähigkeit und Zeit. Die Sachversicherung (Gebäude/Inventar/Inhalt) ist deshalb das Fundament für jeden Schaden, der die Substanz betrifft: Brand, Leitungswasser, Sturm/Hagel, Einbruchdiebstahl, Vandalismus. Gerade in Produktionsumgebungen sind klassische Brandtreiber real: Absaugungen, Lackierbereiche, Staub, Schweißarbeiten, elektrische Fehler, Lagerung von Gefahrstoffen, Batterie-Ladebereiche, Wärmeprozesse.

Entscheidend ist, dass die Versicherungssummen realistisch sind und die Bewertungsmethodik passt. Unterversicherung ist in der Industrie häufig, weil Anlagen und Lagerwerte schnell wachsen: neue Maschine, neue Linie, mehr Rohmaterial, höhere Ersatzteilbestände, teurere Elektronik. Wenn dann ein Schaden passiert, wird nicht nur die Abwicklung mühsam, sondern es drohen Kürzungen oder langwierige Diskussionen.

Zusätzlich zählt die Praxis: Wie schnell kann ein Gebäude wieder genutzt werden? Welche Mehrkosten entstehen durch Notbetrieb, Zwischenlager, Expresslieferungen, provisorische Maßnahmen? Und was passiert mit Halbfabrikaten, Werkzeugen, Formen, Vorrichtungen und Prüfmitteln? Wer nur an „Maschinen“ denkt, vergisst oft die Dinge, die die Produktion wirklich steuern.

PrüfpunktWas das konkret bedeutetWarum es wichtig istTypischer Fehler
Versicherungssummerealistische Werte für Gebäude/InhaltUnterversicherung vermeidenSumme historisch „nie angepasst“
Lager & VorräteRohstoffe, Fertigwaren, HalbfabrikateWerte schwanken starkLagerwerte unterschätzt
Elektrik & BrandtreiberRisikoannahmen, Schutzkonzeptviele Schäden starten elektrischSchutzkonzept ignoriert
MehrkostenExpress, Interim, NotmaßnahmenZeit ist Lieferfähigkeitnur „Neuwert“ gedacht
DokumentationInventarlisten, Pläne, Nachweisebeschleunigt Regulierungkeine saubere Wertebasis

„⚠️ Achtung: In der Industrie ist Unterversicherung oft unsichtbar, bis es brennt. Wer Werte, Lager und Mehrkosten nicht sauber abbildet, verliert Zeit und Geld im falschen Moment.“

3. Maschinenbruch und Elektronik: Anlagen wirklich absichern ⚙️

Maschinenversicherung ist in der Produktion häufig der Unterschied zwischen „Reparatur“ und „Monatelang Stillstand“. Während Sachversicherung typischerweise klassische Gefahren wie Feuer/Leitungswasser abdeckt, geht es bei Maschinenbruch um innere Betriebsschäden: Bedienfehler, Konstruktions-/Materialfehler, Überspannung, Kurzschluss, Fehler in Steuerung/Elektronik, Hydraulikprobleme, Unwucht, Blockaden, Fremdkörper, Kühlmittel-/Schmierstoffthemen. Gerade moderne Produktionsanlagen hängen stark an Elektronik, Sensorik, Steuerungen und Robotik. Der teuerste Schaden ist dann oft nicht das mechanische Teil, sondern die Ausfallzeit plus die schwierige Ersatzteil- und Serviceverfügbarkeit.

Wichtig ist außerdem: Welche Maschinen sind kritisch, welche sind redundant, welche haben lange Lieferzeiten? Ein Ersatz für eine Standardpumpe ist etwas anderes als ein Ersatz für eine Sondermaschine, einen Ofen, eine CNC-Anlage, eine Spritzgussmaschine oder eine Verpackungslinie. Viele Betriebe sind produktiv nur so lange, wie ein einzelnes Nadelöhr funktioniert. Genau dieses Nadelöhr muss abgesichert und organisatorisch geplant werden.

Bei Elektronik gilt zusätzlich: Schäden entstehen oft „leise“ (z. B. Überspannung, Defekt an Steuerung, Ausfall von Server/PLC). Die Kosten entstehen dann nicht nur durch Reparatur, sondern durch Fehlersuche, Programmierung, Inbetriebnahme, Kalibrierung und Qualitätssicherung nach Wiederanlauf. Wer das nicht mitdenkt, plant zu klein.

PrüfpunktWas das konkret bedeutetWarum es wichtig istTypischer Fehler
Kritische MaschinenEngpässe und Nadelöhre identifizierenein Nadelöhr stoppt allesnur „Wert“ statt „Kritikalität“
SchadenartenBedienfehler, Elektronik, innere Schädenhäufigste Ausfallmusternur Feuer/Leitungswasser gedacht
Ersatzteile/ServiceLieferzeiten, Hersteller, WartungZeit bestimmt StillstandServicezeiten unterschätzt
WiederinbetriebnahmeProgrammierung, Kalibrierung, Testsrealer Kostenblocknur „Teil tauschen“ gerechnet
Selbstbehalt/Prämiepassend zur SchadenfrequenzPlanbarkeit im Alltagzu hoch gewählt, dann ungenutzt

„📘 Beachte: Maschinenversicherung ist kein Luxus, sondern Engpassschutz. Entscheidend ist nicht nur der Maschinenwert, sondern die Stillstandsdauer und die Wiederanlaufkosten.“

4. Betriebsunterbrechung und Ertragsausfall: Stillstand überleben ⏱️

Betriebsunterbrechung ist in der Industrie oft der wichtigste Schutz nach der Haftpflicht, weil Stillstand Fixkosten und Verträge frisst. Das Muster ist klar: Ein Sachschaden oder Maschinenschaden passiert, die Produktion stoppt oder läuft nur reduziert, und gleichzeitig laufen Kosten weiter: Löhne, Miete/Leasing, Energie-Grundkosten, Finanzierung, IT, Versicherungen, Wartungsverträge. Dazu kommen Vertragsfolgen: Liefertermine, Pönalen, Ersatzbeschaffung, Verlust von Aufträgen, Qualitätskosten beim Wiederanlauf.

Entscheidend sind die Parameter, nicht das Gefühl. Die wichtigste Frage lautet: Wie lange dauert es realistisch, bis wir wieder normal liefern können? In der Praxis sind 3 Monate oft optimistisch, wenn Gebäude, Maschinen, Elektronik, Genehmigungen, Lieferzeiten und Inbetriebnahme zusammenspielen. Auch „Teilbetrieb“ kann teuer sein, wenn Engpässe bleiben oder Qualität schwankt.

Sehr wichtig sind Abhängigkeiten: Energieversorgung, Gas, Druckluft, Kühlwasser, IT, externe Logistik, bestimmte Zulieferteile. Viele Stillstände sind nicht „bei uns kaputt“, sondern „wir können nicht weiter“, weil ein externer Faktor fehlt. Je nach Ausgestaltung können solche Abhängigkeiten mitgedacht werden (z. B. Zulieferer-/Abnehmerbausteine), aber das muss aktiv geplant werden.

PrüfpunktWas das konkret bedeutetWarum es wichtig istTypischer Fehler
Haftzeitrealistische WiederanlaufdauerStillstand dauert oft längerHaftzeit zu kurz
BerechnungsbasisRohertrag, Fixkosten, MehrkostenCashflow bleibt stabilfalsche Kennzahlen
MehrkostenExpress, Outsourcing, Schichtenbeschleunigt Wiederanlaufnur „Umsatz“ gedacht
AbhängigkeitenEnergie/Zulieferer/IT berücksichtigenKettenreaktionen vermeidenexterne Risiken ignoriert
WiederanlaufphaseAusschuss, Testläufe, Qualitätechte Kosten nach Schaden„ab Tag 1 wieder 100 %“

„⚠️ Achtung: In der Industrie ist der Stillstand fast immer teurer als der Sachschaden. Wer Haftzeit, Mehrkosten und Wiederanlaufphase zu klein plant, verliert im Ernstfall Lieferfähigkeit.“

5. Rückruf, Produktsicherheit und Qualitätskosten 🧪

Rückruf ist nicht nur ein Thema für Consumer-Produkte. In der Industrie kann ein Qualitätsproblem in einer Serie massive Kosten auslösen: Sperrung von Chargen, Prüfungen, Sortierung, Austausch, Ein- und Ausbau beim Kunden, Logistik, Entsorgung, Krisenkommunikation, Produktionsumstellung. Besonders gefährlich ist das Thema bei Großkunden und in Lieferketten, in denen Ihr Teil ein System stilllegt oder eine Abnahme verhindert.

Wichtig ist die Unterscheidung: Produkthaftung greift typischerweise, wenn ein Schaden entsteht (Personen- oder Sachschaden beim Kunden). Rückrufkosten entstehen oft schon vorher, weil ein Risiko besteht oder weil vertragliche und regulatorische Anforderungen eine Maßnahme erzwingen. Viele Unternehmen merken zu spät, dass „kein Schaden eingetreten“ nicht bedeutet „keine Kosten“.

Außerdem ist Produktsicherheit Prozess. Versicherungen können Kosten abfedern, ersetzen aber kein Qualitätsmanagement. Wer sauber dokumentiert (Prüfprotokolle, Rückverfolgbarkeit, Chargen, Lieferantennachweise), reduziert die Eskalation und kann schneller und gezielter reagieren. Das spart im Ernstfall oft mehr als jede Police.

PrüfpunktWas das konkret bedeutetWarum es wichtig istTypischer Fehler
RückrufkostenSperren, Prüfen, Austauschen, LogistikKosten entstehen vor „Schaden“Rückruf als Produkthaftung verwechselt
RückverfolgbarkeitChargen, Seriennummern, Lieferkettebegrenzt die Schadensflächekeine saubere Traceability
Ein-/Ausbau & QSAustausch beim Kunden + Prüfaufwandhäufig größter KostenblockQS-Kosten unterschätzt
KrisenprozessAnsprechpartner, Ablauf, KommunikationGeschwindigkeit reduziert Folgekostenimprovisiert im Ernstfall
VertragslogikOEM-Anforderungen, Garantien, PönalenB2B-Verträge verstärken KostenAnforderungen nie abgeglichen

„📘 Beachte: Rückruf ist ein Kostenereignis, nicht erst ein Schadensereignis. Wer Traceability und Austausch-/Prüfkosten nicht mitdenkt, unterschätzt das Risiko massiv.“

6. Umwelt, Gewässerschaden und Umwelthaftpflicht 🌿

Industrie und Produktion bedeuten oft Stoffe, Lagerung, Betriebsmittel, Abwasser, Kühlschmierstoffe, Öle, Reinigungsmittel, Chemikalien, Batterien oder Sonderabfälle. Umwelt- und Gewässerschäden sind deshalb kein Randthema, sondern ein eigenes Risiko: Leckagen, Überfüllungen, defekte Leitungen, Tankanlagen, Havarien, Fehler bei Entsorgung oder Transport, kontaminierte Löschwässer nach Brand. Die Kosten bestehen nicht nur aus Schadenersatz an Dritte, sondern oft aus Sanierung, Behördenauflagen, Gutachten, Überwachung und langen Projekten.

Wichtig ist die Abgrenzung: Klassische Betriebshaftpflicht deckt Umweltschäden nicht immer in der Tiefe ab, insbesondere nicht bei allmählicher Einwirkung oder bei bestimmten Sanierungskosten. Deshalb wird Umwelthaftpflicht bzw. Gewässerschadenhaftpflicht oft separat geplant. Für viele Betriebe ist das nicht „nice to have“, sondern eine Pflichtanforderung aus Genehmigungen, Standortbedingungen oder Kundenanforderungen.

In der Praxis zählt, ob Ihre tatsächlichen Anlagen und Stoffe erfasst sind: Lagertanks, Heizöltanks, Abscheider, Galvanik-nahe Prozesse, Lacke/Lösemittel, Gefahrstofflager, Batterielager, Containerstellplätze. Und es zählt, ob der Schadenprozess klar ist: Sofortmaßnahmen, Meldung, Dokumentation, Abstimmung mit Behörden.

PrüfpunktWas das konkret bedeutetWarum es wichtig istTypischer Fehler
Anlagen & StoffeLagerung, Abscheider, Tanks korrekt erfasstDeckung folgt dem Risiko„haben wir kaum“ angenommen
SanierungskostenBoden/Wasser, Überwachung, Gutachtenteuer und langwierignur „Drittschaden“ gedacht
Allmählichkeitschleichende Schäden berücksichtigentypisches Musternur plötzliche Schäden erwartet
Löschwasser/Brandfolgekontaminiertes Löschwasser beachtenBrand verstärkt UmweltkostenBrand nur als Sachschaden gedacht
BehördenprozessMeldung, Maßnahmen, Nachweisereduziert Eskalationunklare Zuständigkeiten

„⚠️ Achtung: Umweltschäden sind selten, aber brutal teuer und lang. Wer Anlagen, Stoffe und Sanierungskosten nicht sauber abbildet, hat ein echtes Existenzrisiko im Standortbetrieb.“

7. Transport, Lager und Montage: Waren in Bewegung 🚛

Industrie bedeutet Bewegung: Rohstoffe kommen rein, Halbfabrikate wandern, fertige Ware geht raus, Ersatzteile müssen schnell zum Kunden, manchmal auch Werkzeuge, Formen oder wertvolle Einzelteile. Transporte sind dabei nicht nur „Spedition“. Es geht um Beschädigung, Diebstahl, Temperatur-/Feuchte-Themen, falsche Handlingprozesse, falsche Lagerung, Verzögerungen, sowie um Verantwortlichkeiten: Wer trägt das Risiko wann? Incoterms, Übergabepunkte, Verpackung, Dokumentation.

Wichtig ist außerdem, dass Lager nicht nur „Wand und Regal“ ist. Lager ist Wert und Lieferfähigkeit. Viele Schäden passieren nicht unterwegs, sondern im Umschlag: Staplerschaden, Wasserschaden im Lager, Einbruch, Fehlkommissionierung, Verwechslung. Dazu kommen Sonderfälle: Außenlager, Container, Zwischenlager beim Dienstleister, Konsignationslager beim Kunden.

Für Montage- und Anlagenlieferungen gilt zusätzlich: Wenn Sie beim Kunden montieren oder in Betrieb nehmen, entstehen neue Risiken (Montage, Werkzeuge vor Ort, Übergabe, Testläufe). Hier braucht es eine klare Logik zwischen Haftpflicht, Montage-Absicherung und Transport.

PrüfpunktWas das konkret bedeutetWarum es wichtig istTypischer Fehler
TransportdeckungWare/Teile während Transport abgesichertSchäden passieren unterwegsauf Spediteur „verlassen“
Verpackung & Übergabeklare Prozesse und Nachweiseohne Nachweis wird Streit teuerkeine Foto-/Dokuprozesse
LagerwerteBestände realistisch, auch externLieferfähigkeit hängt am LagerKonsignation/extern vergessen
UmschlagrisikenStapler, Handling, Zwischenlagerhäufigster Schadentreibernur „LKW“ gedacht
Montage & InbetriebnahmeRisiko vor Ort und Testläufeteuer bei AnlagenMontage als „Routine“

„📘 Beachte: Transport- und Lagerfälle werden selten durch „Versicherung fehlt“ teuer, sondern durch unklare Übergabepunkte und fehlende Dokumentation. Prozess schlägt Bauchgefühl.“

8. Cyber und OT/ICS: Produktion gegen digitale Ausfälle schützen 🧷

Cyberrisiko in der Industrie ist nicht nur „Daten“. Es ist Produktion. Wenn OT-Systeme (PLC, SCADA, HMI, MES) betroffen sind, steht nicht nur ein Büro still, sondern eine Linie. Typische Fälle: Ransomware, die Server und Backups verschlüsselt, Manipulation von Steuerungen, Ausfall von ERP/MES mit Folge-Stillstand, Kontoübernahmen, CEO-Fraud, Lieferanten-Kompro­mit­tierung, oder unabsichtliche Ausfälle durch Updates und Fehlkonfiguration.

Wichtig ist die Besonderheit von OT: Verfügbarkeit ist oft wichtiger als Vertraulichkeit. Ein IT-Vorfall, der „nur“ ein paar Stunden E-Mail betrifft, ist lästig. Ein OT-Vorfall, der eine Linie 10 Tage stoppt, ist existenziell. Deshalb muss Cyberplanung in der Industrie immer technisch und organisatorisch gedacht werden: Segmentierung, Backup-Strategie (auch offline), Zugriffsschutz, 2-Faktor, Patch-Management, Notfallpläne, Ersatzhardware, Dienstleisterverträge, Wiederanlauf-Tests.

Eine Cyberversicherung kann sinnvoll sein, wenn sie realistische Kosten abfedert: IT-Forensik, Wiederherstellung, Krisenkommunikation, Rechtsberatung, Meldepflichten, und – falls passend – Betriebsunterbrechung durch Cyberereignisse. Entscheidend ist aber, dass der Wiederanlauf praktisch machbar ist.

PrüfpunktWas das konkret bedeutetWarum es in der Industrie wichtig istTypischer Fehler
OT-SegmentierungTrennung IT/OT, Rechtekonzeptreduziert „Totalstillstand“OT hängt „einfach mit dran“
Backups & Recoveryoffline/immutable, getestetWiederanlauf entscheidetBackup nie getestet
Zugriffe2-Faktor, Admin-Konten, Fernwartunghäufigster AngriffswegFernwartung unkontrolliert
Cyber-BU-LogikStillstandskosten durch CyberProduktion ist der Hebelnur „Datenleck“ gedacht
Dienstleister & PlanNotfallkontakte, Abläufe, ÜbungenZeit ist Geldkein Incident-Plan

„⚠️ Achtung: In der Industrie ist Cyber oft ein Produktionsrisiko. Wenn Backups, Segmentierung und Wiederanlauf fehlen, hilft die beste Police nur begrenzt, weil Zeit der größte Schadenfaktor ist.“

9. Rechtsschutz, D&O und Strafrecht: wenn es formal wird ⚖️

Sobald etwas schiefgeht, wird es in der Industrie schnell formal: Mängelstreit mit Großkunden, Regressforderungen, Lieferverzug, Vertragsstrafen, Kündigungsdrohungen, Arbeitsrecht bei Umstrukturierungen, Auseinandersetzungen mit Behörden (Auflagen, Genehmigungen, Arbeitsschutz), oder Ermittlungen nach einem Unfall. Das Risiko ist nicht nur „Prozesskosten“, sondern Handlungsunfähigkeit durch Fristen, falsche Kommunikation oder fehlende Strategie.

Rechtsschutz kann helfen, wenn er zur Realität passt: Vertragsrecht, Arbeitsrecht, ggf. Strafrechtsschutz (für Vorwurfslagen), und je nach Struktur auch Verwaltungsrecht. Parallel ist D&O (Managerhaftpflicht) für viele Industrieunternehmen relevant, weil Geschäftsführung und leitende Organe persönlich in Haftung geraten können – gerade bei finanziellen Entscheidungen, Organisationspflichten, Compliance-Themen oder Insolvenznähe. Viele unterschätzen dieses Risiko, bis ein Gesellschafter, Insolvenzverwalter oder Dritter Ansprüche stellt.

In der Praxis zählt Prozesslogik: Wer dokumentiert, wer entscheidet, wer spricht, welche Unterlagen sind sofort verfügbar, welche Fristen laufen? Der beste Schutz ist früh: Ordnung in Aktenlage und klare Zuständigkeiten.

PrüfpunktWas das konkret bedeutetWarum es wichtig istTypischer Fehler
Vertrags-/LieferstreitBeratung bei Regress, Pönalen, KündigungGroßkunden handeln hartzu spät juristisch reagieren
ArbeitsrechtKündigungen, Streit, Umstrukturierunghäufige Konfliktfeldernur privater RS vorhanden
StrafrechtsschutzErmittlungen nach Unfall/BrandAussagen sind heikelohne Anwalt sprechen
D&Opersönliche Haftung von OrganenSchutz der Entscheider„betrifft uns nicht“
DokumentationProtokolle, QM, EntscheidungenFristen und Beweis sichernAktenlage unklar

„💡 Tipp: In formalen Konflikten gewinnt, wer zuerst Ordnung hat. Aktenlage sichern, Zuständigkeiten klären, dann kommunizieren.“

10. FAQ – 6 wichtige Fragen zur Versicherung in der Industrie ❓

Was sind die wichtigsten Pflichtbausteine in der Industrie?

In der Praxis sind meist existenziell: Betriebshaftpflicht plus Produkthaftung passend zur Wertschöpfung, Sachschutz für Gebäude/Inhalt, Maschinenbruch (wenn Engpässe bestehen) und vor allem eine sauber geplante Betriebsunterbrechung, weil Stillstand die echten Kosten treibt. Ergänzend kommen Rückruf/Qualitätskosten, Umwelt und Cyber je nach Betrieb sehr schnell in die Pflichtzone.

„💡 Tipp: Priorisieren Sie als System: Haftung/Produkthaftung, dann Sach + Maschinen (kritische Engpässe), dann Stillstand (Betriebsunterbrechung). Alles andere wird danach risikoabhängig ergänzt.“

Wie hoch müssen Deckungssummen in der Produkthaftung sein?

Das hängt weniger an „Branche“ als an Kunden, Projekten und Kettenrisiko. Ein Großkunde mit Serienfertigung, Anlagenstillstand oder sicherheitskritischer Anwendung kann aus einem Fehler eine sehr große Forderung machen. Sinnvoll ist, die vertraglichen Anforderungen Ihrer Top-Kunden und das Worst-Case-Szenario (Ein-/Ausbau, Stillstand, Regresskette) realistisch zu spiegeln.

„📘 Beachte: Die beste Deckungssumme ist die, die zu Ihren größten Kundenverträgen passt. Prüfen Sie Anforderungen nicht „im Schadenfall“, sondern beim Vertragsabschluss.“

Was ist wichtiger: Maschinenbruch oder Betriebsunterbrechung?

Maschinenbruch hilft, die Ursache zu reparieren oder Ersatzteile/Service zu finanzieren. Betriebsunterbrechung hilft, die Folgen zu überleben: Fixkosten, Rohertrag, Mehrkosten und Wiederanlauf. In der Praxis braucht es beides, aber die Gewichtung hängt davon ab, ob Sie echte Nadelöhrmaschinen haben und wie lange ein Ausfall realistisch dauern kann.

„⚠️ Achtung: Viele Unternehmen planen Maschinenbruch „sauber“, aber Stillstand „zu klein“. Der Stillstand ist fast immer der größere Schaden, wenn die Haftzeit zu kurz ist.“

Brauche ich Rückruf, wenn ich nur B2B liefere?

Gerade im B2B entstehen Rückruf- und Qualitätskosten häufig, weil Großkunden klare Prozesse verlangen: Sperren, Prüfen, Austauschen, Ein-/Ausbau, Sortieraktionen, Logistik. Diese Kosten entstehen oft auch ohne klassischen Personen- oder Sachschaden, weil ein Risiko oder eine Abweichung festgestellt wird.

„📘 Beachte: Rückruf ist oft ein Vertrags- und Prozessereignis, nicht erst ein Schadensereignis. Traceability und Austauschlogik sind entscheidend.“

Ist Cyber in der Produktion wirklich so kritisch?

Ja, wenn IT/OT-Systeme für Fertigung, Steuerung, ERP/MES, Lager oder Versand relevant sind. Ein Cybervorfall trifft dann nicht nur Daten, sondern Verfügbarkeit: Produktion steht, Qualität wird unsicher, Liefertermine reißen. Der kritische Punkt ist Wiederanlauf: Backups, Segmentierung, Zugriffsschutz und getestete Recovery.

„⚠️ Achtung: Der teuerste Cyber-Schaden in der Industrie ist der Stillstand. Ohne getestete Wiederherstellung wird jedes Ereignis länger und teurer.“

Wie verhindere ich Unterversicherung bei Sachwerten?

Mit einem festen Werteprozess: Inventarlisten, regelmäßige Aktualisierung nach Investitionen, getrennte Betrachtung von Lagerwerten (auch saisonal), Dokumentation von Sonderwerten (Werkzeuge, Formen, Prüfmittel) und klaren Verantwortlichkeiten, wer Änderungen meldet. Unterversicherung ist selten „Betrug“, meist einfach fehlender Prozess.

„💡 Tipp: Machen Sie aus „Versicherungssumme“ eine Kennzahl wie im Controlling: nach Investition, Lageraufbau oder Hallenerweiterung wird die Summe geprüft und aktualisiert.“

11. Fazit – MAWA Industrie-Check ✅

Versicherungen für Industrie & Produktion: Systemschutz | MAWA Finanz

Industrie und Produktion brauchen kein Versicherungschaos, sondern ein System für Kumulrisiken: Haftpflicht/Produkthaftung passend zur Wertschöpfung und zu Großkundenverträgen, Sachschutz mit realistischen Summen, Maschinenbruch für kritische Engpässe, Betriebsunterbrechung mit realistischer Haftzeit, Rückruf- und Qualitätskosten als Serienrisiko, Umwelt-/Gewässerschadenlogik für Standortbetrieb, Transport/Lager als Lieferfähigkeitshebel, Cyber/OT als Verfügbarkeitsrisiko und Management-/Rechtsrisiken (Rechtsschutz, D&O, Strafrecht) für formale Eskalationen. Ziel ist klar: Im Ausnahmefall bleiben Sie lieferfähig, zahlungsfähig und handlungsfähig.

MAWA Industrie-CheckPrüffrageZiel
Haftpflicht/ProdukthaftungProfil, Ein-/Ausbau, Summen passen zu Top-Kunden?keine Regressfalle
SachschutzGebäude, Inhalt, Lagerwerte realistisch?schneller Wiederaufbau
MaschinenbruchNadelöhre und Elektronik wirklich abgedeckt?Ausfallzeit verkürzen
BetriebsunterbrechungHaftzeit, Mehrkosten, Wiederanlaufphase passend?Cashflow stabil
Rückruf/QualitätTraceability + Kostenlogik vorhanden?Serienrisiko überlebbar
UmweltAnlagen/Stoffe/Sanierung sauber geregelt?Standortschutz
Transport/LagerÜbergaben, Dokumentation, externe Lager erfasst?Lieferfähigkeit sichern
Cyber/OTSegmentierung, Backups, Recovery + Deckung stimmig?Produktion läuft wieder
Recht/D&Oformale Konflikte und Organhaftung abgedeckt?Entscheidungen sicherer

„📘 Beachte: Gute Industrie-Absicherung wirkt im Alltag unspektakulär. Sie ist richtig, wenn der Ausnahmefall nicht zur Existenzfrage wird, sondern zu einem beherrschbaren Projekt.“

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