
Altersvorsorge – Riester, Rürup, bAV & private Rente
Altersvorsorge ist kein Produkt, sondern ein System: Wer Förderung, Steuern, Kosten und Auszahlung sauber versteht, bekommt am Ende mehr Netto-Rente.
Altersvorsorge | Rente richtig planen – das sollten Sie wissen.
🌟 Einleitung

Altersvorsorge wirkt oft wie ein Sammelbegriff, ist aber in Wahrheit ein Regelwerk: Je nachdem, ob Sie Riester, Rürup, bAV, Direktversicherung, private Rentenversicherung oder eine Unterstützungskasse nutzen, ändern sich Förderlogik, Steuern, Sozialabgaben, Verfügbarkeit und Auszahlungsoptionen – und damit das, was am Ende netto übrig bleibt.
Viele Entscheidungen werden zu früh nach Produktnamen getroffen. Das führt dann typischerweise zu drei Problemen: Erstens werden Kosten unterschätzt, weil man nur auf einzelne Kennzahlen schaut. Zweitens wird die falsche Schicht gewählt, weil die Steuerwirkung zwar „gut klingt“, aber im individuellen Fall nicht greift. Drittens ist die Auszahlungsphase nicht geplant: Rente statt Kapital (oder umgekehrt), ungünstige Zeitpunkte, falsche Erwartungen an Verfügbarkeit.
Auf dieser Seite bekommen Sie deshalb einen klaren Vergleich: Wer passt zu Riester und wann ist die Förderung wirklich stark? Für wen ist Rürup ein Steuerhebel – und warum ist die fehlende Kapitalverfügbarkeit gleichzeitig Vorteil und Einschränkung? Wie funktioniert bAV in der Entgeltumwandlung, was bedeutet der Arbeitgeberzuschuss und warum muss man die spätere Steuer- und Sozialabgabenlast mitdenken? Was kann eine arbeitgeberfinanzierte Direktversicherung, wenn der Arbeitgeber zahlt? Wann ist die private Rentenversicherung als flexibler Baustein sinnvoll? Und wann ist die Unterstützungskasse für Gesellschafter-Geschäftsführer ein echtes Profi-Instrument – mit großem Potenzial, aber auch Struktur-Risiko?
💡 Tipp: Entscheiden Sie nicht zuerst „welches Produkt“, sondern zuerst „welches Zielbild“: Förderung ja/nein, gewünschte Flexibilität, Garantiebedarf, und vor allem die Frage „Rente oder Kapital“. Danach wird die Auswahl deutlich einfacher.
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1. Was ist Altersvorsorge – und wie ordnet man die Bausteine ein? 🧭
Altersvorsorge bedeutet: Sie bauen heute Vermögen oder spätere Rentenansprüche auf, um im Ruhestand ein stabiles Einkommen zu haben. In Deutschland funktioniert das praktisch über drei Ebenen: die gesetzliche Basis (gesetzliche Rente, Beamtenversorgung), geförderte oder steuerlich privilegierte Vorsorge (Riester, Rürup, bAV) und private Vorsorge ohne Förderlogik (zum Beispiel private Rentenversicherung oder reiner Kapitalaufbau).
Wichtig ist die Denkweise in zwei Zeiten. In der Ansparphase zählt, woher das Geld kommt: aus dem Brutto (mit Steuer-/SV-Vorteilen), aus dem Netto (ohne Förderung) oder mit staatlicher Zulage. In der Auszahlungsphase zählt, was davon wieder abgeht: Einkommensteuer, eventuell Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, und die Frage, ob Sie lebenslang Rente beziehen oder Kapital nutzen können.
Viele Prospekte erzählen gerne „Rendite“ oder „Sicherheit“. In der Praxis ist der echte Unterschied aber die Mechanik. Ein Baustein kann auf dem Papier gut aussehen und trotzdem schlecht passen, wenn Sie später Kapital brauchen, wenn Sie häufig den Arbeitgeber wechseln oder wenn die Kostenstruktur den Fördervorteil aufzehrt.
| Baustein | Typ Notice / Zielgruppe | Stärkster Vorteil | Typische Grenze |
|---|---|---|---|
| Riester-Rente | Arbeitnehmer, Beamte, Familien | Zulagen, Garantie-Logik | Regeln, Kosten sensibel, Kapital begrenzt |
| Rürup-Rente | Selbstständige, Freiberufler, Gutverdiener | hohe Absetzbarkeit, Rentenpflicht | keine Kapitalentnahme, geringe Flexibilität |
| bAV (Entgeltumwandlung) | Arbeitnehmer | Bruttoeffekt + Arbeitgeberzuschuss | spätere Steuer/SV, Arbeitgeberwechsel-Thema |
| AG-finanzierte Direktversicherung | Arbeitnehmer | Vorsorge ohne Eigenbeitrag | Bedingungen/Portabilität, spätere Abgaben |
| Private Rentenversicherung | langfristige Sparer | Flexibilität, Rente/Kapital je Tarif | Kosten müssen sauber sein |
| Unterstützungskasse (GGF) | GmbH-Gesellschafter-GF | sehr hohe Dotierungen möglich | Struktur muss rechtlich/steuerlich passen |
📘 Beachte: Altersvorsorge ist am Ende eine Netto-Rechnung. Wenn Sie nur „Rendite“ vergleichen, aber Steuer, Sozialabgaben, Kosten und Auszahlung ignorieren, vergleichen Sie nicht das Ergebnis.
2. Riester-Rente: Zulagen, Garantie, Familienhebel 👨👩👧👦
Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte Altersvorsorge. Die Förderung kommt typischerweise aus zwei Richtungen: Zulagen (Grundzulage und ggf. Kinderzulage) und ggf. zusätzlicher Steuerentlastung über die Steuererklärung. Entscheidend ist: Die Förderung wirkt dann stark, wenn die Zulagen im Verhältnis zu Ihrem Eigenbeitrag hoch sind – und das ist häufig bei Familien mit Kindern der Fall.
Riester ist gleichzeitig ein Sicherheitsmodell. Viele Riester-Produkte arbeiten mit Garantie-Logik, damit am Ende mindestens die eingezahlten Beiträge und Zulagen verfügbar sind (je nach Tarifgestaltung). Das gibt Stabilität, kann aber Renditechancen begrenzen. Genau deshalb ist bei Riester die Kostenseite so entscheidend: Hohe Abschluss- und Verwaltungskosten können die staatliche Förderung teilweise auffressen.
In der Auszahlungsphase ist Riester grundsätzlich als Rentenmodell gedacht. Kapitalauszahlung ist nur eingeschränkt möglich, häufig als Teilbetrag zu Beginn der Auszahlungsphase. Wer also erwartet, später „frei über das ganze Kapital verfügen zu können“, liegt bei Riester meist daneben. Riester kann trotzdem hervorragend sein, wenn man ihn als das nutzt, was er ist: ein geförderter, regelgebundener Baustein mit starkem Familienhebel.
| Riester-Punkt | Was das praktisch heißt | Vorteil | Typischer Fehler |
|---|---|---|---|
| Zulagen | Staat zahlt zusätzlich, bei Kindern oft stark | Förderung als Renditehebel | Beitrag zu niedrig, Zulagen verschenkt |
| Garantie | Sicherheitsmechanik im Vertrag | Stabilität | Garantie als „kostenlos“ angenommen |
| Flexibilität | Anpassungen möglich, aber regelgebunden | planbar | häufige Änderungen verschlechtern Ergebnis |
| Auszahlung | Schwerpunkt Rente, Kapital begrenzt | Langlebigkeit abgesichert | falsche Erwartung an Kapitalverfügbarkeit |
| Kosten | mehrere Kostenebenen | muss beherrscht werden | nur auf Förderung schauen, nicht auf Kosten |
💡 Tipp: Riester wird nicht durch „den Anbieter“ gut, sondern durch das Verhältnis von Zulagen zu Eigenbeitrag und durch niedrige Gesamtkosten. Wenn diese zwei Punkte passen, ist Riester für Familien oft sehr stark.
3. Rürup-Rente (Basisrente): Steuerhebel mit Rentenpflicht 💼
Die Rürup-Rente (Basisrente) ist das Gegenstück zu Riester: weniger Zulagenlogik, dafür ein starker Steuerhebel in der Ansparphase. Beiträge können als Altersvorsorgeaufwendungen im Rahmen des gesetzlichen Höchstbetrags als Sonderausgaben angesetzt werden; seit einigen Jahren sind innerhalb dieses Rahmens grundsätzlich 100 Prozent der ansetzbaren Beiträge berücksichtigungsfähig. Der praktische Effekt entsteht aber erst über Ihren Grenzsteuersatz: Je höher Ihre Steuerlast, desto größer der Vorteil.
Der Preis für diese steuerliche Privilegierung ist die strenge Auszahlungslogik. Rürup ist in der Regel auf die lebenslange Rente ausgelegt. Eine freie Kapitalauszahlung oder vorzeitige Entnahme ist typischerweise nicht vorgesehen. Genau das macht Rürup gleichzeitig diszipliniert und „hart“: Sie können nicht einfach kündigen und das Kapital herausziehen. Wer Rürup wählt, entscheidet sich bewusst für den Rentenweg.
In der Auszahlungsphase gilt das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung: Die Rente wird später besteuert, und der steuerpflichtige Anteil hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab. Für die Planung bedeutet das: Rürup kann steuerlich in der Ansparphase sehr stark sein, aber Sie müssen akzeptieren, dass Sie die Steuerwirkung „später“ teilweise zurückzahlen, nur dann oft in einer anderen Lebensphase und mit anderem Steuersatz.
| Rürup-Punkt | Was das praktisch heißt | Vorteil | Grenze |
|---|---|---|---|
| Absetzbarkeit | Sonderausgaben bis zum Höchstbetrag | Steuerhebel | wirkt nur, wenn Steuerlast da ist |
| Auszahlung | lebenslange Rente | Langlebigkeitsrisiko abgedeckt | Kapitalwahl meist ausgeschlossen |
| Verfügbarkeit | keine freie Entnahme | Disziplin, Schutzfunktion | passt nicht zu Kapitalzielen |
| Anlage | je Tarif klassisch/fonds/ETF möglich | Renditechance steuerbar | Kosten entscheiden stark |
| Besteuerung | nachgelagert im Alter | Planbarkeit möglich | falsche Erwartungen an „steuerfrei“ |
⚠️ Achtung: Rürup ist kein flexibles Sparvehikel. Wer später Kapital braucht (zum Beispiel für große Investitionen), sollte Rürup nur nutzen, wenn dieser Kapitalbedarf anderweitig abgedeckt ist.
4. Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Entgeltumwandlung richtig rechnen 🏢
Die bAV in der Entgeltumwandlung ist für viele Arbeitnehmer der wichtigste Zusatzbaustein. Der Mechanismus: Ein Teil des Bruttogehalts wird in einen bAV-Vertrag umgewandelt. Dadurch sinken in der Ansparphase häufig Steuer und Sozialabgaben, und zusätzlich kommt in vielen Fällen ein gesetzlicher Arbeitgeberzuschuss hinzu, typischerweise in Höhe von 15 Prozent des umgewandelten Entgelts, soweit der Arbeitgeber durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge einspart. Genau dieser Mix aus Bruttoeffekt und Zuschuss ist oft der Grund, warum bAV attraktiv ist.
Der zweite Teil der Wahrheit ist die Auszahlungsphase. Leistungen aus der bAV sind im Alter grundsätzlich steuerpflichtig, und in vielen Konstellationen fallen auch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an. Das ist kein „Fehler des Systems“, sondern die Logik: Was in der Ansparphase entlastet, wird in der Auszahlung wieder belastet. Deshalb muss bAV immer als Netto-Kette gerechnet werden: Nettoaufwand heute versus Nettoleistung später.
Zusätzlich hat bAV eine Lebensrealitäts-Komponente: Arbeitgeberwechsel, Vertragsübertragung, beitragsfreie Zeiten und Tarifbedingungen. Ein sehr guter bAV-Vertrag kann durch einen ungünstigen Arbeitgeberwechsel komplizierter werden. Umgekehrt kann ein durchschnittlicher Vertrag trotzdem sinnvoll sein, wenn der Arbeitgeberzuschuss hoch ist und die Kosten im Rahmen bleiben.
| bAV-Punkt | Was das praktisch heißt | Vorteil | Typische Falle |
|---|---|---|---|
| Bruttoeffekt | Beitrag senkt Steuer/SV in der Ansparphase | niedriger Nettoaufwand | spätere Belastung wird verdrängt |
| Arbeitgeberzuschuss | häufig 15 Prozent unter Bedingungen | zusätzlicher Hebel | Zuschuss wird nicht ausverhandelt/genutzt |
| Kosten | tarif- und durchführungswegabhängig | kann gut sein | hohe Kosten fressen Vorteil |
| Portabilität | Arbeitgeberwechsel kann Übertragung erfordern | Kontinuität möglich | Übertragung schlecht geregelt |
| Auszahlung | steuerpflichtig, oft KV/PV-relevant | planbar | Nettoauszahlung überschätzt |
📘 Beachte: bAV ist dann besonders stark, wenn Arbeitgeberzuschuss und Bruttoeffekt die späteren Abgaben deutlich überkompensieren und die Kosten sauber sind. Ohne diese drei Punkte ist bAV oft nur „okay“ statt „top“.
5. Arbeitgeberfinanzierte Direktversicherung: zusätzlicher Benefit 🎁
Die arbeitgeberfinanzierte Direktversicherung ist eine spezielle Form der bAV, bei der der Arbeitgeber die Beiträge zahlt. Für Arbeitnehmer ist das oft der angenehmste Vorsorgebaustein, weil er ohne eigenen Nettoaufwand entsteht. Aus Sicht des Arbeitgebers ist es ein Instrument zur Mitarbeiterbindung. Aus Sicht des Mitarbeiters ist es zusätzliches Altersvorsorgekapital, das man sonst aus dem eigenen Einkommen aufbauen müsste.
Trotzdem lohnt sich auch hier ein Blick in die Mechanik. „Geschenkt“ bedeutet nicht automatisch „optimal“. Kosten, Anlageform und Übertragbarkeit bei Arbeitgeberwechsel sind relevant. In der Auszahlungsphase gelten ähnliche Grundregeln wie bei anderen bAV-Leistungen: Die Leistungen sind im Alter grundsätzlich steuerpflichtig und je nach Konstellation auch für Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge relevant.
Ein häufiger Denkfehler ist, dass man solche Verträge nie prüft, weil man selbst ja nichts zahlt. In der Praxis ist es aber sinnvoll, zumindest zu verstehen, welche Leistung logischerweise zu erwarten ist, wie flexibel der Vertrag ist und ob bei Arbeitgeberwechsel eine Fortführung möglich ist.
| AG-finanzierte Direktversicherung | Was das praktisch heißt | Vorteil | Risiko |
|---|---|---|---|
| Eigenbeitrag | keiner oder sehr gering | echter Zusatznutzen | Vertrag wird gar nicht geprüft |
| Aufbau | Beitragszahlung über Arbeitgeber | planbar | Laufzeit/Unterbrechungen |
| Portabilität | Wechsel kann Fortführung/Übertragung erfordern | Vorsorge bleibt erhalten | Verlust von Konditionen möglich |
| Kosten/Anlage | tarifabhängig | kann gut strukturiert sein | hohe Kosten mindern Leistung |
| Auszahlung | steuer- und oft KV/PV-relevant | systemlogisch | Netto im Alter wird überschätzt |
💡 Tipp: Arbeitgeberfinanzierte Verträge sind oft „must have“, aber nicht „set and forget“. Ein kurzer Check von Kosten, Anlage und Übertragbarkeit reicht meist, um spätere Überraschungen zu vermeiden.
6. Private Rentenversicherung: flexibel ohne Förderlogik 🧩
Die private Rentenversicherung ist der flexible Baustein ohne staatliche Förderung in der Ansparphase. Sie zahlen aus versteuertem Einkommen ein und können – je nach Tarif – später eine lebenslange Rente, eine Kapitalauszahlung oder eine Kombination wählen. Viele Tarife arbeiten heute mit fondsgebundenen Lösungen, häufig mit ETFs oder Fondsportfolios, weil langfristig Renditechance in der Regel aus Kapitalmarktanlagen kommt.
Der Vorteil ist die Gestaltungsfreiheit: Beitragshöhe, Zuzahlungen, teils Entnahmen, Rentenbeginn, Auszahlungsform. Der größte Hebel ist aber gleichzeitig die größte Gefahr: die Kostenstruktur. Eine Police mit „ETF drin“ kann trotzdem teuer sein, wenn Abschluss- und laufende Mantelkosten hoch sind. Umgekehrt kann eine gut gemachte, kostenarme Police sehr effizient sein, insbesondere bei langen Laufzeiten und wenn die Auszahlungsform steuerlich sinnvoll geplant wird.
Beispiel (vereinfachte Modellrechnung, vor Kosten): Wer mit 30 Jahren monatlich 200 Euro spart und im Schnitt 5 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, landet nach 37 Jahren grob in einer Größenordnung von rund 256.000 Euro Vertragswert. Ob dieser Wert realistisch erreichbar ist, hängt am Produkt, an Kosten, an der Anlage und an der Durchhaltefähigkeit.
| Private Rentenversicherung | Was das praktisch heißt | Vorteil | Grenze |
|---|---|---|---|
| Förderlogik | keine Zulagen in der Ansparphase | unabhängig | kein staatlicher Boost |
| Anlage | Fonds/ETF je Tarif | Renditechance | Schwankungen möglich |
| Auszahlung | Rente/Kapital/Mix je Tarif | flexible Planung | Regeln je Vertrag |
| Steuerlogik | abhängig von Auszahlungsart und Voraussetzungen | kann netto helfen | falsche Planung kostet |
| Kosten | Mantel + Anlagekosten | kann effizient sein | kann Rendite wegkosten |
⚠️ Achtung: Der häufigste Fehler ist, nur die Fondskosten zu vergleichen. Bei Policen entscheiden Mantelkosten, Vertragsregeln und Auszahlungsmechanik mindestens genauso stark wie die ETF-Kosten.
7. Unterstützungskasse für Gesellschafter-Geschäftsführer: große Hebel 🧱
Die Unterstützungskasse ist ein bAV-Durchführungsweg, der vor allem für Gesellschafter-Geschäftsführer interessant sein kann, weil er höhere Versorgungslösungen ermöglicht als viele Standardwege. Die Grundidee: Die GmbH dotiert Beiträge beziehungsweise Zuwendungen, die – bei sauberer Struktur – als Betriebsausgabe wirken können. Dadurch entsteht ein erheblicher Gestaltungsspielraum. Das ist besonders relevant, wenn ein GGF eine große Versorgungslücke hat oder wenn klassische Lösungen zu kleine Beitragsrahmen haben.
Die Kehrseite ist die Komplexität. Unterstützungskassen sind keine „Produkte von der Stange“. Die steuerliche Anerkennung, die rechtliche Zusagegestaltung, die Finanzierung, die versicherungsmathematische Bewertung und die betriebliche Realität müssen zusammenpassen. Fehler sind nicht nur „unschön“, sondern können steuerlich und bilanziell richtig teuer werden.
In der Praxis ist die Unterstützungskasse stark, wenn die GmbH wirtschaftlich stabil ist, die Zusage realistisch ist und die Struktur sauber dokumentiert wird. Wer das professionell umsetzt, kann einen sehr großen Vorsorgehebel erreichen. Wer das „nebenbei“ macht, riskiert Probleme bei Prüfung, Bilanz und späterer Auszahlung.
| Unterstützungskasse (GGF) | Was das praktisch heißt | Vorteil | Risiko |
|---|---|---|---|
| Dotierungen | häufig deutlich höhere Beiträge möglich | großer Vorsorgehebel | muss wirtschaftlich passen |
| Steuerwirkung | Betriebsausgaben-Logik möglich | Gestaltungsspielraum | Anerkennung hängt an Details |
| Sozialabgaben | je nach Konstellation günstig | Effizienz | individuelle Prüfung nötig |
| Struktur | rechtlich/steuerlich/aktuariell | maßgeschneidert | Fehler sind teuer |
| Auszahlung | zugesagte Versorgungslogik | planbar | Flexibilität begrenzt |
📘 Beachte: Bei der Unterstützungskasse ist nicht der „Tarif“ der entscheidende Punkt, sondern die Strukturqualität. Gute Struktur spart Steuern und schafft Versorgung; schlechte Struktur schafft Ärger.
8. Steuern und Sozialabgaben: Einzahlungsphase vs. Auszahlung 🧾
Steuern und Sozialabgaben sind der Unterschied zwischen „Bruttoleistung“ und „Netto-Rente“. Viele Modelle sind in der Ansparphase attraktiv, weil sie entweder Zulagen bringen (Riester), Beiträge steuerlich absetzbar machen (Rürup) oder aus dem Brutto sparen lassen (bAV). In der Auszahlungsphase dreht sich die Logik meist um: Leistungen werden besteuert, und bei bAV-Leistungen kommen häufig Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge hinzu, je nach Versicherungsstatus im Ruhestand.
Für die Planung bedeutet das: Sie sollten nie nur eine Phase betrachten. Wenn Sie in der Ansparphase 100 Euro „sparen“, aber in der Auszahlung 30 bis 40 Prozent Abzüge haben, ist das nicht automatisch schlecht – es muss nur bewusst gerechnet werden. Umgekehrt kann eine private Lösung ohne Förderung trotzdem sehr gut sein, wenn die Kosten niedrig sind und die Auszahlungsform später steuerlich sinnvoll gestaltet wird.
Auch wichtig: Steuerregeln können sich verändern. Deshalb ist es sinnvoll, die Planung robust zu bauen, nicht auf ein einziges Steuerspar-Detail zu wetten und stattdessen Kosten, Flexibilität und Zielpassung in den Mittelpunkt zu stellen.
| Vorsorgeweg | Ansparphase (typisch) | Auszahlungsphase (typisch) | Planungs-Kernpunkt |
|---|---|---|---|
| Riester | Zulagen, ggf. Steuerwirkung | Rente steuerpflichtig, Kapital begrenzt | Förderung vs. Kosten |
| Rürup | Absetzbarkeit bis Höchstbetrag | lebenslange Rente, nachgelagerte Steuer | Rentenpflicht akzeptieren |
| bAV (Entgeltumwandlung) | Bruttoeffekt + Zuschuss möglich | Steuer, oft KV/PV-Beiträge | Netto heute vs. Netto später |
| AG-finanzierte Direktversicherung | Arbeitgeber zahlt | Steuer, oft KV/PV-Beiträge | Benefit nutzen, Regeln verstehen |
| Private Rentenversicherung | Einzahlung aus Netto | Besteuerung je Auszahlungsform | Kosten + Auszahlungsplan |
💡 Tipp: Rechnen Sie mindestens mit drei Größen: Nettoaufwand heute, erwartete Nettorente oder Nettoauszahlung später und die „Kostenquote“ über die Laufzeit. Das verhindert 90 Prozent der Fehlentscheidungen.
9. Kosten, Garantien, Flexibilität: Angebote sauber prüfen 🔍
Der größte Renditekiller in der Altersvorsorge sind nicht „schlechte Märkte“, sondern über Jahrzehnte wirkende Kosten. Genau hier entsteht der typische TER-Irrtum: Die TER beschreibt die laufenden Kosten eines Fonds oder ETFs. In einem Vorsorgevertrag kommen zusätzlich Abschlusskosten, laufende Verwaltungskosten, ggf. Stückkosten, ggf. Kosten auf das Guthaben und ggf. Kosten für Sicherungs- oder Garantiebausteine hinzu. Wenn Sie nur die TER vergleichen, vergleichen Sie also nicht das Produkt, sondern nur einen Teil des Produkts.
Garantien sind der zweite große Hebel. Garantien geben Sicherheit und Stabilität, kosten aber Renditechance. Das ist keine Wertung, sondern Mechanik. Wer hohe Garantie will, kauft Sicherheit, und bezahlt diese Sicherheit über geringere Kapitalmarktteilhabe, Sicherungsmechaniken oder höhere Kosten. Wer Renditechance will, muss Schwankungen aushalten oder intelligente Glättungsmechaniken nutzen, ohne dabei zu teuer zu werden.
Flexibilität ist der dritte Punkt. Viele Menschen ändern im Leben die Prioritäten: Selbstständigkeit, Elternzeit, Immobilienkauf, Arbeitgeberwechsel, Auszeit, Teilzeit, Frühverrentung. Ein Vertrag ist nicht gut, wenn er im Prospekt glänzt, sondern wenn er diese realen Lebensphasen mitmacht, ohne dass man die Rendite kaputtoptimiert.
| Prüfpunkt | Was genau prüfen | Warum es zählt | Typischer Fehler |
|---|---|---|---|
| Gesamtkosten | Abschluss + Verwaltung + Anlagekosten | entscheidet über Netto-Endwert | nur TER ansehen |
| Garantie/Mechanik | Beitragsgarantie, Sicherungsniveau, Rentenfaktorlogik | Sicherheit kostet Rendite | Garantie als „gratis“ verstehen |
| Flexibilität | Beitragsänderung, Pause, Entnahme, Rentenbeginn | Lebensrealität | erst später merken, dass es nicht geht |
| Wechsel/Portabilität | bAV/Direktversicherung bei Arbeitgeberwechsel | verhindert Brüche | Wechsel nicht einkalkuliert |
| Auszahlung | Rente/Kapital/Mix, Regeln, Zeitpunkt | Steuer/Netto im Alter | Auszahlungsphase nicht geplant |
⚠️ Achtung: Wenn ein Angebot Kosten und Auszahlungsregeln nicht transparent darstellt, ist ein Vergleich faktisch nicht möglich. In Altersvorsorge gewinnt nicht die schönste Grafik, sondern die sauberste Mechanik.
10. FAQ – 6 wichtige Fragen zur Altersvorsorge ❓
Die beste Altersvorsorge ist nicht ein Produkt, sondern eine passende Kombination. Entscheidend sind Ziel (Rente oder Kapital), Förderberechtigung, Steuer- und Sozialabgabenlogik, Kosten und Flexibilität. Wer diese Punkte sauber abstimmt, bekommt am Ende mehr Netto.
💡 Tipp: Starten Sie mit einem Zielbild: gewünschtes Netto im Alter, gewünschte Flexibilität und gewünschte Sicherheit. Danach erst Produkte vergleichen.
Riester lohnt sich vor allem dann, wenn die Zulagen im Verhältnis zum Eigenbeitrag hoch sind, häufig bei Familien mit Kindern, und wenn die Gesamtkosten niedrig sind. Wenn die Förderung gering ist oder die Kosten hoch sind, kann Riester unattraktiv werden.
📘 Beachte: Riester ist extrem kostenempfindlich. Ein teurer Vertrag kann die Förderung weitgehend aufzehren, obwohl die Idee grundsätzlich passt.
Rürup kann sehr gut sein, wenn die Steuerlast hoch ist und Sie die Rentenlogik wollen. Der Steuervorteil entsteht über die Absetzbarkeit der Beiträge, aber die Auszahlung ist später als lebenslange Rente steuerlich zu berücksichtigen. Rürup passt deshalb vor allem zu Menschen, die eine klare Rentenbasis wollen und keinen Kapitalzugriff brauchen.
⚠️ Achtung: Rürup ist kein Kapitalprodukt. Wer später flexibel Kapital entnehmen will, sollte Rürup nur nutzen, wenn dieser Kapitalbedarf anderweitig abgedeckt ist.
Nicht automatisch. bAV kann sehr attraktiv sein, besonders mit Arbeitgeberzuschuss. Aber die Auszahlungsphase ist steuerlich relevant und oft auch für Kranken- und Pflegeversicherung. bAV muss deshalb als Netto-Kette gerechnet werden: weniger Nettoaufwand heute versus Nettoleistung später.
💡 Tipp: Prüfen Sie bAV immer mit zwei Zahlen: Nettoaufwand heute und erwartete Nettoleistung im Alter. Ohne diese zwei Zahlen ist jede Bewertung nur Gefühl.
Bei der Entgeltumwandlung zahlen Sie über Ihr Brutto selbst in die bAV ein, oft mit Zuschuss. Bei der arbeitgeberfinanzierten Direktversicherung zahlt der Arbeitgeber die Beiträge. Für Arbeitnehmer ist das ein klarer Vorteil, trotzdem gelten auch hier Regeln zu Kosten, Übertragbarkeit und Abzügen im Alter.
📘 Beachte: Auch wenn der Arbeitgeber zahlt, lohnt ein kurzer Check: Kosten, Anlage und Portabilität entscheiden, ob aus dem Benefit später eine gute Leistung wird.
Eine private Rentenversicherung ist oft sinnvoll, wenn Sie flexibel sparen wollen, unabhängig von Förderregeln sind und eine klare Auszahlungsstrategie haben. Sie ist besonders interessant bei langen Laufzeiten, wenn die Kosten niedrig sind und die Anlage passend gewählt ist.
⚠️ Achtung: ETF im Vertrag ist kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, was der Mantel kostet und welche Auszahlungsregeln gelten.
11. Fazit – MAWA Altersvorsorge-Check und Strategie ✅
Altersvorsorge – Riester, Rürup, bAV & private Rente | MAWA Finanz
Altersvorsorge ist dann stark, wenn sie zu Ihrem Leben passt und netto funktioniert. Riester kann durch Zulagen, insbesondere bei Kindern, ein echter Renditehebel sein, wenn die Kosten niedrig sind. Rürup ist ein steuerlicher Hebel für Selbstständige und Gutverdiener, aber mit klarer Rentenpflicht und ohne freien Kapitalzugriff. Die bAV kann durch Bruttoeffekt und Arbeitgeberzuschuss sehr attraktiv sein, muss aber mit Blick auf Steuer und Sozialabgaben in der Auszahlungsphase gerechnet werden. Arbeitgeberfinanzierte Direktversicherungen sind ein zusätzlicher Vorteil, sollten aber trotzdem verstanden werden. Die private Rentenversicherung ist der flexible Baustein ohne Förderlogik, bei dem Kosten und Auszahlungsstrategie über Erfolg entscheiden. Die Unterstützungskasse ist für Gesellschafter-Geschäftsführer ein Profi-Werkzeug mit großem Potenzial, wenn die Struktur sauber gebaut ist.
Die beste Vorgehensweise bleibt immer gleich: Zielbild festlegen, passenden Förderrahmen wählen, Kosten und Mechanik prüfen, Auszahlungsplan definieren und die Lösung so bauen, dass sie auch bei Lebensänderungen stabil bleibt.
| MAWA Altersvorsorge-Check | Prüffrage | Ziel |
|---|---|---|
| Zielbild | Rente, Kapital oder Mischung? | Auszahlungsplan steht |
| Förderung | Riester, Rürup, bAV sinnvoll nutzbar? | Vorteile werden genutzt |
| Kosten | welche Kosten wirken wirklich über Jahrzehnte? | Rendite wird nicht weggekauft |
| Flexibilität | passt der Vertrag zu Ihrem Leben? | keine bösen Überraschungen |
| Netto | was bleibt nach Abzügen realistisch übrig? | echte Planbarkeit |
📘 Beachte: Gute Altersvorsorge fühlt sich in der Ansparphase oft unspektakulär an. Richtig gut ist sie, wenn sie im Alter planbar funktioniert und wenn Kosten, Abgaben und Auszahlung von Anfang an zusammen gedacht wurden.
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