
Betriebsunterbrechung – Fixkosten & Gewinn sichern
Wenn der Betrieb stillsteht, laufen Kosten weiter. Die Betriebsunterbrechung fängt Fixkosten und Ertragsausfall nach Sachschäden ab.
Betriebsunterbrechungsversicherung – das sollten Sie wissen.
🌟 Einleitung

Die Betriebsunterbrechungsversicherung (BU) ist oft die wichtigste „Unternehmens-Realitätsversicherung“: Nach einem Sachschaden (z. B. Brand, Leitungswasser, Einbruch, Sturm/Elementar) ersetzt die Inhalts- oder Gebäudeversicherung zwar beschädigte Sachen. Aber sie ersetzt nicht automatisch das, was Sie in der Zwischenzeit verlieren: Umsatz, Gewinn, laufende Kosten und die wirtschaftliche Stabilität.
Genau in dieser Lücke sitzt die BU. Sie zahlt – je nach Konzept – fortlaufende Fixkosten und/oder entgangenen Betriebsgewinn, solange Ihr Betrieb wegen eines versicherten Schadens nicht oder nur eingeschränkt arbeiten kann. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht „ob BU grundsätzlich gut ist“, sondern ob die Stellschrauben passen: versicherte Auslöser, Haftzeit, Ertrags- bzw. Rohertragssumme, Selbstbehalt/Wartezeit, Mehrkostenregelung und saubere Kopplung an Gebäude- oder Inhaltsversicherung.
💡 Tipp: Das größte Risiko ist nicht der Schaden am Inventar – sondern die Zeit danach. BU ist dann stark, wenn Haftzeit und Summe realistisch sind (nicht „zu optimistisch“ gerechnet).
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1. Was ist eine Betriebsunterbrechungsversicherung? ⏸️
Die Betriebsunterbrechungsversicherung (BU) ist kein „Sachschutz“, sondern ein Ertrags- und Liquiditätsschutz. Sie zahlt nicht primär für beschädigte Dinge, sondern für die wirtschaftlichen Folgen, wenn Ihr Betrieb nach einem versicherten Sachschaden stillsteht oder nur eingeschränkt arbeiten kann. Genau deshalb ist BU in der Praxis oft der Baustein, der darüber entscheidet, ob ein Unternehmen einen Großschaden „überlebt“ oder ob es trotz repariertem Gebäude wirtschaftlich abrutscht.
Der wichtigste Grundsatz: BU hängt fast immer an einer Sachversicherung (Inhalts- und/oder Gebäudeversicherung). Das bedeutet: Es muss zuerst ein versicherter Sachschaden vorliegen, der aus einer versicherten Gefahr stammt. Erst dann „öffnet“ sich die BU-Leistung. BU ist deshalb immer nur so stark wie:
- die versicherten Gefahren (Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel, Einbruch usw.),
- die Definitionen im Sachvertrag (was ist Leitungswasser, was ist Sturm, was ist Einbruch),
- die Folgekostenregelungen und Obliegenheiten (Leerstand, Frost, Instandhaltung),
- die BU-eigenen Stellschrauben (Haftzeit, Wartezeit, Versicherungssumme, Mehrkosten).
Ein häufiger Denkfehler ist: „Wir haben doch Gebäude/Inhalt – dann sind wir abgesichert.“ Das stimmt nur für die beschädigten Sachen. Die Fixkosten laufen aber weiter: Miete, Leasing, Gehälter, Zinsen, Versicherungen, IT-Verträge, Energiegrundpreise, Wartungsverträge. Gleichzeitig bricht der Umsatz weg oder fällt stark ab. Diese Lücke ist genau das BU-Thema.
| Thema | Kurz erklärt | Häufiger Denkfehler | Praxisfolge |
|---|---|---|---|
| BU | ersetzt Ertragsausfall/Fixkosten bei Stillstand | „Inhalt zahlt doch alles“ | Fixkosten laufen weiter ohne Ersatz |
| Sachversicherung | ersetzt Sachen (Gebäude/Inhalt) | „Sachen = Betrieb“ | Stillstandskosten fehlen |
| Haftzeit | maximale Leistungsdauer | „3 Monate reichen“ | bei Brand/Wiederaufbau oft zu kurz |
| Mehrkosten | Kosten zur Beschleunigung | „nicht nötig“ | Wiederanlauf dauert länger |
| Wartezeit | Zeitraum ohne Leistung am Anfang | „merkt man kaum“ | Liquiditätsloch in den ersten Tagen |
📘 Beachte: BU ist keine „Nice-to-have“-Ergänzung, sondern der Baustein, der Liquidität schützt, wenn der Betrieb real nicht arbeiten kann – und sie ist immer an den Sachvertrag gekoppelt.
2. Für wen ist BU sinnvoll – und wann ist sie entscheidend? 🧭
BU ist sinnvoll, sobald Stillstand nicht nur „ärgerlich“, sondern wirtschaftlich gefährlich ist. Das ist meistens schon dann der Fall, wenn Sie nennenswerte Fixkosten haben oder wenn Ihre Leistungserbringung standort- oder technikabhängig ist.
Entscheidend wird BU typischerweise in diesen Konstellationen:
- Sie haben Personal, das nicht einfach sofort abgebaut werden kann (oder soll).
- Sie zahlen Miete/Leasing/Zinsen, die weiterlaufen.
- Ihr Geschäft hängt am Standort (Laden, Gastro, Praxis, Werkstatt).
- Ihre Wertschöpfung hängt an Maschinen/Technik (Produktion, Handwerk, Labor).
- Sie haben Lieferverpflichtungen/Vertragsstrafenrisiken (B2B, Industrie, Dienstleister).
- Ein Ausweichbetrieb ist teuer oder organisatorisch schwierig.
Wichtig: BU ist nicht nur für „große“ Firmen. Gerade kleinere Betriebe sind oft verwundbarer, weil Rücklagen kleiner sind und ein Monat Stillstand die Liquidität hart trifft.
| Betriebsprofil | Warum Stillstand teuer wird | Typischer Auslöser | BU-Mehrwert |
|---|---|---|---|
| Gastronomie | Standort, Personal, Reservierungen, Verderb | Brand, Wasser, Elementar | Fixkosten + Gewinn + Mehrkosten |
| Handel | Ladenfläche, Kundenfrequenz, Ware/Einrichtung | Einbruch, Wasser, Brand | Stabilität trotz Schließung |
| Handwerk/Werkstatt | Maschinen, Lager, Fahrzeuge/Materialfluss | Feuer, Wasser, Sturm | Ersatzbetrieb + Löhne |
| Produktion | Maschinen + Lieferketten + Verträge | Brand, Sturm, Technikfolgen | Lieferfähigkeit sichern |
| Praxis/Studio | Räume/Technik zwingend | Wasser, Brand, Schadstoff | schnelle Wiederaufnahme |
💡 Tipp: Wenn Sie einen Monat Stillstand nicht aus Rücklagen tragen können, ist BU kein „Upgrade“, sondern Pflichtprogramm – und die Haftzeit muss zur realen Wiederherstellungsdauer passen.
3. Was zahlt BU – Fixkosten, Gewinn, Mehrkosten? 💶
BU soll Ihre wirtschaftliche „Normalität“ so gut wie möglich überbrücken: laufende Kosten zahlen, Gewinn-/Rohertragsausfall kompensieren und den Wiederanlauf beschleunigen. In der Praxis bestehen BU-Leistungen aus drei Säulen – und genau in den Definitionen liegt der Unterschied zwischen „steht im Prospekt“ und „funktioniert im Schadenfall“.
Typische Leistungsbestandteile:
- Fortlaufende Kosten: Alles, was weiterläuft, obwohl Sie nicht oder nur eingeschränkt arbeiten können (z. B. Miete, Leasing, Zinsen, Gehälter, Versicherungen, IT-Verträge, Grundkosten).
- Betriebsgewinn / Rohertrag: Nicht der Umsatz! Sondern der wirtschaftliche Beitrag, der normalerweise Fixkosten und Gewinn trägt.
- Mehrkosten: Ausgaben, die den Wiederanlauf beschleunigen oder Umsatzverluste reduzieren (z. B. Ausweichfläche, Mietgeräte, Expresslieferungen, Überstunden, temporäre Logistik, Werbung zur Wiedereröffnung).
Der häufigste fachliche Fehler ist die Verwechslung von Umsatz und Rohertrag/Deckungsbeitrag. BU ist keine „Umsatzversicherung“. Wenn Sie 100.000 € Umsatz machen, aber 60.000 € Wareneinsatz haben, sind nicht 100.000 € das BU-Thema, sondern der wirtschaftliche Beitrag nach Wareneinsatz, plus fortlaufende Kosten, plus ggf. Gewinnanteil – je nach Modell.
| Leistungsbestandteil | Was gemeint ist | Typisches Beispiel | Was Sie prüfen sollten |
|---|---|---|---|
| Fortlaufende Kosten | laufen trotz Stillstand weiter | Miete, Leasing, Löhne, Zinsen | welche Positionen anerkannt sind |
| Betriebsgewinn/Rohertrag | entgangener wirtschaftlicher Beitrag | keine Einnahmen, aber Kosten laufen | Definition & Berechnungsmethode |
| Mehrkosten | beschleunigt Wiederanlauf | Ausweichlokal, Mietgeräte | Limits, Erforderlichkeit, Nachweise |
| Schadenminderungskosten | verhindern größere Ausfälle | Notbetrieb, provisorische Lösungen | Abstimmungspflichten |
| Leistungsdauer | bis Wiederaufnahme/Haftzeitende | Brand -> Monate | Haftzeit realistisch wählen |
⚠️ Achtung: Entscheidend ist die anerkennungsfähige Kosten- und Rohertragslogik – wenn das falsch kalkuliert ist, kann BU „vorhanden“ sein und trotzdem nicht ausreichend wirken.
4. Auslöser/Trigger – welche Schäden führen zur Leistung? 🔥💧
BU leistet nur, wenn der Stillstand auf einen versicherten Auslöser zurückgeht. Diese Auslöser stammen fast immer aus dem Sachvertrag (Gebäude/Inhalt). Das klingt banal, ist aber der härteste Realitätscheck: Viele Betriebe stehen still – aber nicht jeder Stillstand ist ein BU-Schaden.
Klassische Trigger (wenn im Sachvertrag versichert):
- Feuer (Brand, Blitz, Explosion – je nach Definition auch Rauch/Folgeschäden)
- Leitungswasser (bestimmungswidrig austretendes Wasser aus Rohren/Anlagen)
- Sturm/Hagel (mit definierter Sturmgrenze)
- Einbruchdiebstahl/Vandalismus (tarifabhängig)
Erweiterte Trigger (nur, wenn vereinbart):
- Elementar (Starkregen/Überschwemmung/Rückstau – je nach Paket)
- Technik-/Maschinenbausteine (z. B. Kälteanlage, Haustechnik)
- ggf. besondere Klauseln (z. B. Lieferantenschäden – sehr konzeptabhängig)
Wichtig sind die typischen Nicht-Trigger:
- behördliche Schließung ohne versicherten Sachschaden
- Stromausfall ohne versicherten Sachschaden
- Pandemie, Lieferkettenprobleme, Markt-/Nachfrageeinbruch
- Personalmangel, Streik, reine IT-Ausfälle (ohne entsprechende Deckung)
| Trigger | Typisch gedeckt, wenn… | Beispiel | Typische Lücke |
|---|---|---|---|
| Feuer | Feuer in Sachversicherung versichert | Brand im Lager | Schmor/Seng/Überspannung je nach Klausel |
| Leitungswasser | bestimmungswidrig austretendes Wasser | Rohr platzt, Betrieb dicht | allmähliche Feuchte/Schimmel |
| Einbruch/Vandalismus | Einbruchdiebstahl versichert | Tür zerstört, Betrieb unbrauchbar | einfacher Diebstahl ohne Einbruch |
| Sturm/Hagel | Sturm/Hagel versichert | Dach beschädigt, Regen dringt ein | Sturm unter Schwelle/Offenstehen |
| Elementar | Elementarbaustein vereinbart | Rückstau/Überschwemmung | ohne Elementar oft komplett draußen |
| Technikausfall | als Trigger vereinbart | Kälteanlage fällt aus | ohne Technikbaustein meist keine BU |
📘 Beachte: BU ist „Trigger-gekettet“. Ohne Elementar kann ein kompletter Stillstand nach Starkregen/Rückstau nicht versichert sein, obwohl er wirtschaftlich existenzbedrohend ist.
5. Haftzeit, Wartezeit, Selbstbehalt – die wichtigsten Stellschrauben ⏳
Diese drei Parameter entscheiden, ob BU im Ernstfall zu Ihrer betrieblichen Realität passt.
Haftzeit:
Die maximale Zeit, in der BU leistet (z. B. 3/6/12/18/24 Monate). Der Denkfehler ist „wir sind schnell wieder offen“. In der Realität bremsen:
- Ursachenklärung/Gutachten,
- Trocknung und technische Messungen,
- Material- und Handwerkerengpässe,
- behördliche Auflagen,
- Lieferzeiten für Maschinen oder Sonderbauteile,
- Schadstoff-/Kontaminationslagen.
Wartezeit:
Ein Zeitraum direkt nach Schadenbeginn, in dem noch keine Leistung fließt (z. B. 24/48/72 Stunden). Das kann ok sein, wenn Ihre Liquidität die ersten Tage locker trägt – oder fatal, wenn genau dann Miete, Löhne und erste Notmaßnahmen drücken.
Selbstbehalt:
Entweder als Betrag oder als zeitlicher Selbstbehalt. Hier gilt: Ein Selbstbehalt soll verkraftbar sein. Wenn er zu hoch ist, wirkt BU zwar beitragssenkend, wird aber praktisch „entwertet“.
| Stellschraube | Bedeutung | Typischer Fehler | Bessere Praxis |
|---|---|---|---|
| Haftzeit | wie lange BU maximal zahlt | zu kurz gewählt | Worst-Case realistisch kalkulieren |
| Wartezeit | Anfangsphase ohne Leistung | Liquiditätsloch unterschätzt | bewusst einpreisen, nicht „wegklicken“ |
| Selbstbehalt | eigener Anteil | so hoch, dass BU kaum nutzt | tragbar wählen |
| Wiederanlauf | Zeitpunkt, ab dem Betrieb wieder läuft | zu optimistisch | Puffer einbauen |
| Mehrkosten | beschleunigt Wiederaufnahme | gar nicht oder zu niedrig | Mehrkostenlimit passend setzen |
💡 Tipp: Für viele Betriebe ist 12 Monate Haftzeit ein realistischer Mindestkorridor, wenn Feuer/Elementar ein Thema ist – „3 Monate“ ist bei echten Großschäden häufig zu kurz.
6. Versicherungssumme – Rohertrag, Umsatz, Kosten richtig berechnen 📏
Die richtige Summe entscheidet über „BU hilft“ oder „BU reicht nicht“. Die Summe wird typischerweise aus fortlaufenden Kosten plus Rohertrag/Betriebsgewinn abgeleitet – und dann mit der Haftzeit verknüpft.
Praktisch sauber wird es, wenn Sie drei Dinge trennen:
- Fortlaufende Kosten: Was läuft garantiert weiter?
- Rohertrag/Deckungsbeitrag: Was fehlt Ihnen wirtschaftlich, wenn Umsatz wegbricht?
- Wiederanlaufkurve: Kommen Sie sofort auf 100 % zurück? Meist nicht.
Die häufigste Unterversicherung entsteht durch zu optimistische Annahmen:
- „Nach 4 Wochen sind wir wieder da.“
- „Umsatz startet sofort wieder normal.“
- „Mehrkosten brauchen wir nicht.“
Gerade die Wiederanlaufphase ist tückisch: Selbst wenn Räume wieder nutzbar sind, fehlen oft Personal, Ware, Maschinen, Zulassungen, Kundenfrequenz, Vertrauen oder Lieferfähigkeit. BU muss diese Phase mit abfedern.
| Rechengröße | Was gemeint ist | Warum wichtig | Typischer Fehler |
|---|---|---|---|
| Fortlaufende Kosten | Kosten laufen weiter | Liquidität sichern | Kostenpositionen vergessen |
| Rohertrag | Umsatz minus Wareneinsatz | realer Wirtschaftsbeitrag | mit Umsatz verwechselt |
| Haftzeit-Faktor | Dauer der Leistung | Summe = Monatswert × Monate | Monate zu niedrig |
| Saison/Peak | Schwankungen | Risiko in Spitzenzeiten | Durchschnitt statt Peak |
| Wiederanlaufkurve | schrittweise Rückkehr | selten sofort 100 % | zu optimistisch |
⚠️ Achtung: BU wirkt nur in der Höhe, die Sie vorher kalkuliert haben. Eine zu kleine Summe „zahlt zwar“, aber löst Ihr Liquiditätsproblem nicht.
7. Typische Ausschlüsse & Stolperfallen 🚫
BU scheitert in der Praxis selten an „Versicherer will nicht“, sondern an Ketteneffekten: Kein Trigger, Obliegenheit verletzt, Summe zu klein, Haftzeit zu kurz, Nachweise fehlen. Deshalb muss BU wie ein System gedacht werden: Sachvertrag + BU + Prozesse.
Klassische Stolperfallen:
- Elementar nicht enthalten, aber Starkregen/Rückstau ist Realrisiko
- Leerstand/Frostpflichten nicht eingehalten → Sachvertrag kürzt → BU hängt mit dran
- Allmählichkeit (Feuchte/Schimmel) → kein plötzliches Ereignis → kein Trigger
- Wartezeit + zu wenig Liquidität → Loch in den ersten Tagen
- keine saubere Kosten-/Ertragsdokumentation → Regulierung stockt
| Stolperfalle | Warum kritisch | Typischer Fall | Wie Sie es vermeiden |
|---|---|---|---|
| Trigger nicht gedeckt | BU hängt am Sachschaden | Starkregen ohne Elementar | Triggerliste aktiv prüfen |
| Haftzeit zu kurz | Leistung endet zu früh | Brand -> Wiederaufbau dauert | Haftzeit realistisch wählen |
| Summe zu klein | BU reicht nicht für Fixkosten | hoher Fixkostenblock | Kosten + Rohertrag kalkulieren |
| Nachweise fehlen | Regulierung stockt | keine BWA/Belege | Unterlagen vorbereiten |
| Obliegenheiten verletzt | Leistungskürzung möglich | Frost/Leerstand ignoriert | Regeln kennen + dokumentieren |
📘 Beachte: BU ist ein „Kettenvertrag“ – wenn der Sachvertrag wegen Obliegenheit/Trigger nicht leistet, kann BU in der Folge ebenfalls ausfallen oder gekürzt werden.
8. Beitrag & Kalkulation – wovon der Preis abhängt 💶
Der BU-Beitrag entsteht aus Ihrem Stillstandsrisiko. Versicherer bewerten dafür:
- Branche und Betriebsart (Brand- und Wasserrisiken, Stillstandsanfälligkeit),
- Standort und Gefahrenlage (Elementar, Einbruch),
- Versicherungssumme (Rohertrag/Kosten),
- Haftzeit,
- Wartezeit/Selbstbehalt,
- Schadenhistorie,
- Präventions- und Organisationsniveau.
Wichtig ist: BU „billig machen“ heißt oft BU kürzen (Haftzeit), Summe drücken oder Trigger weglassen. Das spart Beitrag, aber nimmt Ihnen im Ernstfall den Nutzen. Sinnvoller ist: Selbstbehalte/Wartezeiten tragbar wählen und präventiv arbeiten (Rückstau, Wartung, Brandschutz, klare Prozesse).
| Preisfaktor | Warum er wirkt | Typischer Effekt | Stellhebel |
|---|---|---|---|
| Branche | Stillstandsrisiko variiert | Beiträge stark unterschiedlich | korrekte Beschreibung |
| Haftzeit | längere Leistung = mehr Risiko | Beitrag steigt | realistisch statt „kurz“ |
| Summe | höhere Leistung | Beitrag steigt | sauber kalkulieren |
| Wartezeit/SB | mehr Eigenanteil | Beitrag sinkt | tragbar wählen |
| Elementar-Trigger | Naturgefahren | Mehrbeitrag + SB | Prävention (Rückstau etc.) |
💡 Tipp: Beitrag optimierst du am besten über Prävention + tragfähige Selbstbehalte – nicht über eine zu kurze Haftzeit oder eine zu kleine Summe.
9. Schadenfall – Ablauf, Nachweise, Praxis-Tipps 🧾
Im BU-Schaden zählt Tempo mit Struktur. Zwei Themen müssen sauber stehen:
- Der Trigger (versicherter Sachschaden).
- Der wirtschaftliche Nachweis (Kosten/Ertrag/Mehrkosten).
Praktisch heißt das: Sachschaden sofort melden (Gebäude/Inhalt) und BU parallel anstoßen. Stillstand dokumentieren (Datum, Umfang, Einschränkungen), eine Zeitlinie führen, und die betriebswirtschaftlichen Unterlagen sauber liefern. Mehrkosten sind oft der Gamechanger für schnelle Wiederaufnahme – aber nur, wenn sie erforderlich, nachweisbar und oft auch abgestimmt sind.
| Schritt | Was Sie liefern | Warum es wichtig ist | Praxis-Tipp |
|---|---|---|---|
| 1. Meldung | Sachschaden + BU | Trigger muss stehen | beide parallel melden |
| 2. Dokumentation | Stillstand + Zeitlinie | Zeitraum entscheidet Leistung | Timeline konsequent führen |
| 3. Wirtschaftsnachweise | BWA, Umsatz, Kostenlisten | Höhe der Entschädigung | Standardpaket bereithalten |
| 4. Mehrkosten | Angebote/Rechnungen | schneller Wiederanlauf | vorher abstimmen |
| 5. Abschluss | Wiederanlauf + Abrechnung | Schlusszahlung sauber | Unterlagen vollständig halten |
💡 Tipp: Legen Sie eine „BU-Schadenmappe“ an: aktuelle BWA, Fixkostenliste, Miet-/Leasingverträge, Personalübersicht, Wartungsnachweise. Im Ernstfall sparen Sie damit Tage – und Tage sind Liquidität.
10. FAQ – 6 wichtige Fragen zur Betriebsunterbrechung ❓
Nur, wenn Stromausfall als Trigger versichert ist oder der Stromausfall Folge eines versicherten Sachschadens ist. Reiner Netzausfall ohne Sachschaden ist oft nicht gedeckt.
📘 Beachte: Entscheidend ist der Auslöser. BU ist meist an die Sachgefahren gekoppelt.
In der Praxis werden Begriffe gemischt. BU/Ertragsausfall meint meist die Absicherung von fortlaufenden Kosten und Gewinn/Rohertrag nach Sachschaden. Der konkrete Inhalt hängt am Tarifmodell.
💡 Tipp: Schauen Sie weniger auf den Namen, mehr auf die Berechnungsmethodik (Rohertrag, Kosten, Haftzeit).
Das hängt an Branche und Objekt. Bei Brand sind mehrmonatige Unterbrechungen realistisch. Viele Betriebe fahren mit 12 Monaten als Mindestkorridor deutlich sicherer als mit 3 Monaten.
⚠️ Achtung: Eine zu kurze Haftzeit ist eine stille Unterversicherung: Die Leistung endet, obwohl der Betrieb noch nicht läuft.
Zu klein gerechnet: Summe oder Haftzeit zu niedrig, Wiederanlaufphase nicht berücksichtigt. Zweiter Klassiker: Elementar fehlt, obwohl Starkregen/Rückstau real ist.
📘 Beachte: BU braucht realistische Worst-Case-Denke – nicht Durchschnitts-Denke.
Je nach Modell können Löhne/Gehälter zu den fortlaufenden Kosten zählen. Das muss im Vertrag sauber geregelt sein und wird über Nachweise belegt.
💡 Tipp: Fixkostenliste erstellen und mit dem Versicherer/Vertrag abgleichen – dann gibt es weniger Diskussionen.
Das hängt an Klarheit von Trigger und Nachweisen. Je strukturierter Sie melden und belegen, desto schneller kann der Versicherer Abschläge und später die Endabrechnung zahlen.
⚠️ Achtung: Ohne BWA/Kostenunterlagen stockt BU am häufigsten – nicht wegen bösem Willen, sondern wegen fehlender Basis.
11. Fazit – MAWA BU-Check & Strategie ✅
Betriebsunterbrechung – Fixkosten & Gewinn sichern | MAWA Finanz
Betriebsunterbrechung ist der Baustein, der nach dem Sachschaden die wirtschaftliche Luft zum Atmen schafft. Er ersetzt nicht „nur Dinge“, sondern sichert Fixkosten und Ertrag, während Sie wiederaufbauen. Entscheidend sind Trigger (inkl. Elementar), realistische Haftzeit, richtige Summe (Rohertrag/Fixkosten), sinnvolle Wartezeit und saubere Nachweisfähigkeit.
| MAWA BU-Check | Prüffrage | Ziel |
|---|---|---|
| 1 | Sind die Trigger passend (Feuer/Wasser/Einbruch/Elementar)? | Stillstand ist wirklich gedeckt |
| 2 | Passt die Haftzeit zur Worst-Case-Dauer? | Leistung endet nicht zu früh |
| 3 | Ist die Summe realistisch (Kosten + Rohertrag)? | keine Unterversicherung |
| 4 | Sind Mehrkosten sinnvoll geregelt? | schneller Wiederanlauf |
| 5 | Sind Nachweise vorbereitet (BWA/Fixkostenliste)? | schnelle Auszahlung |
📘 Beachte: BU ist dann perfekt, wenn sie im Ernstfall nicht „rechnen muss“, sondern nur noch „auszahlen“ kann – weil Werte, Trigger und Nachweise vorher sauber stehen.
